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The Mighty Stef - 100 Midnights (Tonetoaster)

Hört man die Musik von Stefan Murphy, so dauert es nicht lange, bis die ersten Tom Waits/ Nick Cave- Assoziationen auftauchen. Rollen andere workers in song angesichts derartiger Vergleiche wohl eher gelangweilt die Augen, versteht sie der aus Dublin stammende und unter dem Pseudonym The Mighty Stef firmierende Künstler als große Komplimente. Nimmt man hinzu die Referenzen Rolling Stones, Townes Van Zandt, The Pogues und Flogging Molly, bekommt man eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was der Herr so an Musik produziert. Ein Gemisch aus Outlaw-Country, polternden Shanties, Folk- und Gospelklängen mit eindeutiger Punk-Attitüde ist das, dem man eher gepflegten Anachronismus denn Epigonentum zuschreiben würde.
Der hierzulande noch unbekannte Musiker ist in seiner Heimat Irland schon längst kein Geheimtipp mehr. Nachdem ihn der ehemalige Pogues-Manager Frank Murray entdeckt hatte, veröffentlichte der selbst betitelte streetwise troubadour zwei Alben, die von der Kritik umschmeichelt wurden. „The Sins Of St. Catherine“ erschien letztes Jahr auch in Deutschland und kam ähnlich gut an. Nun erscheint das Zweitwerk „100 Midnights“, das im Gegensatz zum Debüt nicht mehr in Eigenregie sondern im Bandgefüge entstand.
Konsequenterweise findet sich darauf ein Duett mit dem wohl berühmtesten Alkoholiker Irlands, Mr. Shane McGowan. Auch der Rest der Platte klingt rau und Pub-affin, indem sich The Mighty Stef gekonnt durch einige der landläufig mit erhöhtem Alkoholkonsum assoziierten Genres (s.oben) balanciert. Dazu werden Geschichten erzählt von Freundschaft, der See, kaputten Familien und unglücklicher Liebe, ganz so wie man es von einem streetwise troubadour erwarten darf.
Das Rad wird dabei beileibe nicht neu erfunden, aber dafür ist ist die Musik authentisch und integer.
In die Garde politischer Protest-Sänger hat sich Stefan Murphy vor kurzem auch noch eingereiht: Nach dem skandalösen Scheitern der irischen Nationalelf in der WM-Qualifikation veröffentlichte er umgehend einen wütenden Folksong gegen Ungerechtigkeit im Fussball.
Johnny Cash - American VI: Ain´t no Grave (Limited Digipak)

Es scheint wirklich so zu sein, als ob Johnny Cash nach seinem Tod noch größer geworden ist als zu Lebzeiten; zumindest für den Mainstream der Ihn erst richtig wahrgenommen hat als er mit "Hurt" rauskam. Kein Wunder also dass er sich jetzt noch ein letztes Mal aus dem Jenseits meldet, um wirklich auch allen mitzuteilen, dass kein Grab Ihn davon abhält uns davon zu überzeugen wie großartig, ja wie einzigartig sein Vermächtnis ist und bleibt.
Es gibt einige wenige Bewunderer von Johnny Cash, die aber der Meinung sind, dass er sich mit den `American Recordings´ keinen Gefallen getan hat. Bob Dylan wurde im vergangen Jahr vom "Rolling Stone" gefragt ob er seinen guten Freund Johnny Cash (der im September 2003 verstarb) vermissen würde; darauf antwortete er: "Ich hab ihn schon zehn Jahre vor dessen Tod vermisst. Es fällt mir schwer dies zu sagen, aber ich erzähle Leuten die sich für dessen Musik interessieren, sie sollten sich die frühen 'Sun Records' Aufnahmen anhören und die ganzen notorisch-minderwertigen Sachen, die er die letzen Jahre gemacht hat abzulehnen. Die 'American Recordings' können den früheren Aufnahmen nicht annähernd das Wasser reichen, weil sie der furchterregenden Tiefe des Mannes nicht gerecht werden, den man auf diesen frühen Platten hört. Nur so sollte man ihn in Erinnerung behalten." Und dann gibt's natürlich auch die Kritiker die jetzt anfangen zu bemängeln, sein Erbe werde fast so rücksichtslos ausgeschlachtet wie das von Jimi Hendrix oder Tupac...
Letztendlich sind beide o.g. Argumente nicht wirklich nachvollziehbar. Das beweisen nicht nur die unter der Regie von Rick Rubin produzierten Scheiben I-V der 'American'-Serie, sondern auch die 32 Minuten vom sechsten und definitiv letzten Kapitel auf dem der "Man-In-Black" auch kurz vor seinem Tod auf eindrucksvolle Art und Weise unter Beweis stellte, dass er nichts bereue und bereit war für das was nach dem Leben kommen möge. Als er also ein letztes Mal unter der Ägide von Rubin `Ain't No Grave', 'Redemption Song' und andere Lieder aufnahm, die sich mit dem Ableben beschäftigen, war er bereits von der eigenen schweren Krankheit gezeichnet. Hinzu kam der Tod seiner Frau und Partnerin June Carter Cash. Seine Stimme klingt zwar schwach und zerbrechlich wie man es erwartet von einem Sterbenden, aber sie ist resolut und letztendlich wie geschaffen für die Ewigkeit!
The Soft Pack - The Soft Pack (Heavenly)

`In der Kürze liegt die Würze´ lautet ein bekanntes deutsches Sprichwort. So war es bei den letzten beiden Scheiben, die unter dieser Rubrik vorgestellt wurden und so ist es auch bei dieser Platte, die genauso heißt wie die Band von der sie kommt.
Früher, in den guten alten Zeiten, waren LP's nie länger als dreißig Minuten, weder zu Beginn der 60er Jahre als Rock 'n' Roll in aller Munde war, noch als Punk in den Seventies die Szene beherrschte. Und da The Soft Pack von beiden Bewegungen gehörig beeinflusst worden sind, ist es ganz klar, dass ihr Debut nur knapp eine halbe Stunde lang andauert. "Short but extremenly sharp" urteilte diesbezüglich auch jüngst das britische Fachblatt "Q"-Magazine.
Es ist eine explosive Mischung aus zwei Stilen, die das Quartett aus San Diego, California an den Tag legt: An vorderster Front verschmelzen sie Beat- und Garage-Rock in einem atemberaubenden Tempo und mit einer dynamischen Eleganz wie man es selten in den vergangenen Jahren erlebt hat. Herausgekommen ist dabei letztlich eine Qualität und ein Sound, den viele Bands anstreben, der aber nur wenigen gelingt.
Well done, guys!
White Rabbits - It´s Frightening (Mute/EMI)

Schenkt man dem Wikipedia-Eintrag Glauben (Anm. d Verfassers: dieses Portal ist für die Recherche seriöser Musikjournalisten natürlich völlig unzulässig, keiner von ihnen würde auch nur auf die Idee kommen, es für derartige Zwecke zu verwenden), so erfährt man über die Band folgendes: „White Rabbits sind ein amerikanisches Indierock-Sextett aus Brooklyn,NY.“ Im Jahre 2007 veröffentlichten sie ihr erstes Album, „Fort Nightly“, welches „von Kritikern gepriesen wurde.“ Bekannt seien sie „für ihre Energie auf der Bühne, den Tausch von Instrumenten, sowie Coverversionen“, die sie „auf ihre eigene Weise“ und dazu noch „in einem Stil, der sich vom Original unterscheidet“, spielten (wow!). Laut ihrer Myspace-Seite (Anm. d. Verfassers: dieses Portal ist für die Recherche ernsthafter Musikjournalisten absolut ungeeignet, da es ihren Inhalten an der notwendigen Objektivität mangelt) beschäftige die Band u.a. zwei Schlagzeuger und einen Pianisten, sei vor allem von einem Cricket-Klub mit seltsamen Namen beeinflusst und habe unlängst ein zweites Album veröffentlicht, das „den düsteren Pop ihres Debüts erneut vergegenwärtigt und dabei mittels neuen Sounds und Einflüssen ein einzigartiges Werk“ darstelle. Unabhängig von der Aussagekraft solcher Informationen steht fest: das Zweitwerk mit dem Titel „It's Frightening“ ist in der Tat hörenswert! Die Musik ist, nicht zuletzt wegen des interessanten Lineups der Band, vielschichtig, geheimnisvoll und nicht selten mit einer gewissen Kakophonie (im positiven Sinn) gespickt, die sie niemals glatt oder belanglos klingen lässt. Stattdessen bekommt man es mit einem unvorhersehbaren Strom an Ideen zu tun. Diese benötigen Zeit, um sich zu entfalten und es dauert demnach, bis man sich mit der Platte vertraut fühlt. Ausnahme ist die Single- Auskoppelung „Percussion Gun“, die schon nach einmaligem Hören zum Ohrwurm wird. Anders als noch beim Debüt dominiert diesmal klar die Stimme von Stephen Patterson- eine Mischung aus Intimität und exaltiertem Over-Acting. Sein klassisch anmutendes Piano prägt die Musik, daneben sticht vor allem der perkussive rhythmische Charakter der zehn Stücke heraus. Bemerkenswert ist auch der Klang des Albums, er ist voll und sehr räumlich, so dass man „It's Frightening“ vor allem unter Kopfhörern genießen kann.
Am 20.2. spielen die White Rabbits im Berliner Frannz Club in der Kulturbrauerei. Begleitet werden sie dabei von den ebenfalls geschätzten Spoon (deren Chef Brett Daniel „It's Frightening“ produzierte!). Dies als sehr warme Empfehlung zum Schluss!
Gil Scott-Heron - I´m New Here (XL - Beggars Group)

The Godfather of Rap is back! Und wie! Nachdem er jahrelang im Knast wegen diverser Drogendelikte gesessen hat, erscheint nun - nach 16 Jahren Abstinenz - wieder eine neue Platte von Ihm.
Schon in jungen Jahren bewies Gil Scott-Heron wie einwandfrei er mit Wörtern umgehen konnte. Im zarten Alter von 12 hatte er schon zwei Romane und ein Poesie-Buch veröffentlicht. Anfang der 70er Jahre, mit gerade mal 20, schuf er Musik, die auf Jazz, Soul, und einem Prototyp von Rap basierte. Seine Lieder wurden von Größen wie Esther Phillips und Labelle gecovered. Nachdem er auch Pop und Disco in seine Musik einfließen ließ, wurden auch Titel, die er unter seinem eigenen Namen rausbrachte bekannt.
Seine Songschreiber Stärken lagen schon immer im politisch-kritischen Bereich ('The Revolution Will Not Be Televised', 'Johannesburg', 'B-Movie'), mit Themen wie Armut, Apartheid, und Atomenergie an vorderster Front.
Auf "I'm New Here" reflektiert der inzwischen 60jährige mehr über sein eigenes Leben. Ganz besonders resümiert er hier seine jüngere, verkorkste Vergangenheit. Auch musikalisch ist er im 21. Jahrhundert angekommen. So ganz kann er sich natürlich nicht vom Soul und Funk distanzieren, aber der Sound ist eindeutig geprägt von Dubs und Grooves, wie man sie auf anderen zeitgenössichen Aufnahmen hört. Mit "Spoken-Word" Elementen, die zwischen dem ein oder anderen Lied auftauchen, ist er somit auch wieder zu seinen Wurzeln zurückgekehrt.
Viel zu lange war Gil Scott-Heron weg vom Fenster, wie gut dass wir ihn jetzt herzlichst wiederbegrüßen dürfen!
Midlake - The Courage of Others (Universal)

MIDLAKE - The Courage Of Others
Was Platten-Cover angeht, wird man dieser Tage ja selten schlau (siehe A.O.T.W. von voriger Woche). Bei "The Courage Of Others" von Midlake ist es anders, denn da ist wirklich das drin was man meint auch draussen zu sehen. Männliche Gestalten in Mönchskutten hocken wie beim letzten Abendmahl inmitten einer Landschaft wie es die des Garten Edens sein könnte, die es gilt weiterhin gut zu behüten und beschützen. Und genau das ist es auch was Midlake mit Ihrer Musik zum Ausdruck bringen wollen.
Es gab in den vergangen Jahren immer wieder Alben von Musikern, die sich mit dem Klimawandel und der Zerstörung der Umwelt auseinander gesetzt haben, keine jedoch taten dies bisher so eloquent wie das Quintet aus Denton, Texas. Auf ihrem zweiten Long-Player betrachten Midlake und speziell ihr Sänger und Songschreiber Tim Smith unsere Erde voller Andacht. So kennt man es sonst nur von den Gründern der Flower-Power Generation aus den Sechziger Jahren ("Days Of The Future Past" von The Moody Blues fällt mir da spontan ein).
Die 'Sixties' hinterlassen deutliche Spuren auf "The Courage Of Others": Ein Hauch von Traffic, Fairport Convention, Pentangle und anderen englischen Folk-Rock Bands geistert herum auf Songs wie `Acts Of Man´, `Small Mountain´ oder dem zentralen Titel `Core of Nature´, in dem ein allumfassendes Zitat von Goethe auftaucht, um das ganze Geschehen auf den Punkt zu bringen: ' Into the core of nature/ No earthly mind can enter '.
Tocotronic – Schall und Wahn

Wenigstens musikalisch fängt 2010 gut an. Tocotronic sind wieder da mit neuem Album. Einen treffenderen Titel als „Schall und Wahn“ hätten die vier Absolventen der „Hamburger Schule“ kaum finden können. „Eure Liebe tötet mich“ heißt der erste Song auf der Platte. Melancholisch, passiv, resigniert und entrückt klingt er. Man hat ein bisschen das Gefühl als hätten die Jungs Sorgen, durch ihre Popularität ihre Authentizität zu verlieren. Die Gitarren kreischen wehmütig, der Beat ein wenig depressiv und alles zusammen wirkt wie in Trance aufgenommen. Das ist der „Wahn“. Wo sind die Wut, der Zynismus und die Ironie der vergangenen Alben hin, so fragt man sich wenn man das Album zum ersten Mal hört. Aber das Album heißt „Schall und Wahn“. Und den „Schall“ gibt es gleich schon im zweiten Song „Ein leiser Hauch von Terror“ nach. Laut, treibend, wütend, treibend – Tocotronic so wie man sie gewohnt war. Sie haben sich also nicht verändert und sind nicht wie so viele im Laufe der Zeit leiser geworden und haben so ihren „Biss“ verloren. „Schall und Wahn“ ist ein rundum gelungenes Album. Rockig, wütend und wild, über melancholisch, phlegmatisch und nachdenklich bis hin zu antreibend, ausgelassen und melodisch (so zum Beispiel in „Die Folter endet nie“), aber immer politisch und aktuell und niemals weltfremd und gerade eben damit „tocotronisch“. Das Album markiert einen sehr schönen Auftakt für den Deutsch-Rock in 2010, setzt aber auch für alle Nachfolgenden durchaus Maßstäbe. Im Klartext, dieses Album lohnt es sich zu kennen und das wirklich Einzige was einen vielleicht befremdet zurück lässt, ist das Cover-Artwork: Ein poskartenkitschiger Biedermeier-Blumenstraus. Was bitte soll denn sowas??
Get Well Soon - Vexations (Cityslang)

Konstantin Gropper scheint über solide finanzielle Reserven zu verfügen. Zumindest hört sich sein neues Album „Vexations“ in all seiner Opulenz und Pracht nach einer teuren Produktion an. Eine gute Anlage allemal, schließlich galt es, den großartigen Vorgänger „Rest Now You Weary Head“ möglichst noch zu überbieten. Diesen hatte er vor knapp zwei Jahren unter seinem Alter Ego Get Well Soon veröffentlicht und rückte daraufhin schlagartig ins Licht der Öffentlichkeit- und dass weit über die Landesgrenzen hinaus.
Entstand das erste Album noch komplett in Eigenregie, setzte der klassisch geschulte Multiinstrumentalist diesmal ganz auf das Prinzip Arbeitsteilung. Echte Bläser- und Streicherquartette verfeinerten den Sound zu einem regelrechten Kammerpop, der neben den gewohnt ausgefeilten Arrangements vor allem durch seine gehaltvolle Klanglichkeit überzeugt. Die 14 Songs auf Vexations („Ärgernisse“) kommen angenehm unaufdringlich daher, wie der Soundtrack zu einem Film, der beim Hören im Kopf entsteht. Dass sich die Songs offenbar um Geister, das Römische Reich, den Louvre, stoische Philosophen und den Filmregisseur Werner Herzog drehen, gibt dem Kopfkino zusätzlichen Stoff. Diese eher ungewöhnlichen Sujets werden von der schwelgerischen Stimme Groppers vorgetragen, die nicht selten an Thom Yorke erinnert. Weniger eingängig als das Erstwerk, stattdessen ausschweifender und sphärischer haben Get Well Soon einen würdigen Nachfolger veröffentlicht. Am besten man schnappt sich seine Kopfhörer und unternimmt einen abendlichen Winterspaziergang.
Vampire Weekend - Contra (XL Recordings/Beggars)

Das neue Jahr startet mit einem musikalischen Geniestreich: "Contra", der zweiten LP von Vampire Weekend. Schon mit ihrem Debüt-Album 2008 imponierte das New Yorker Quartett nicht nur den Kritikern, die über eine halbe Million Fans weltweit zum Kauf des Erstlings bewegen konnten. Mit ihrem Nachfolgewerk festigen Vampire Weekend nun ihren Ruf als Amerikas intelligenteste Pop-Band.
Eine gute und gemeinsame Ausbildung war dabei bestimmt ganz hilfreich, denn das Quartett lernte sich an der Columbia Universität kennen, einer Elite-Uni in Manhatten. Dass ihre Musik so empfänglich wurde für alle möglichen Einflüsse, hängt wohl nicht nur mit ihren vielseitigen Studien zusammen, sondern auch und vor allem mit ihren familiären Wurzeln: Die Musiker von Vampire Weekend sind Nachkommen von Einwanderern aus so unterschiedlichen Ländern wie dem Iran und Russland.
Nach wie vor fühlt man sich beim Anhören von Vampire Weekend sehr an "Graceland" von Paul Simon erinnert - das Album, das vor knapp einem Viertel-Jahrhundert afrikanische Sounds gemischt mit modernem Pop salonfähig machte. Waren es auf der Vorgänger-Scheibe von VW noch die Gitarren-Akkorde, die für Ecken und Kanten sorgten, so sind es jetzt hauptsächlich Elektro-Beats, die den Sound verfeinern, ihn in einer geschliffeneren Form präsentieren.
Grundsätzlich sind die Klangfarben delikater und vielschichtiger geworden, die Töne schweben teilweise ganz locker daher, was den komplexen Songstrukturen entgegenkommt und ihnen Leichtigkeit und Wärme verleiht. Unbekümmertheit und `Sturm-und-Drang´ waren gestern, heute herrschen Sorgfalt und Tiefe. Und so können wir feststellen: Mit "Contra" haben Vampire Weekend ihre Reifeprüfung meisterhaft bestanden!
Motorpsycho - Heavy Metal Fruit (Stickman Rec./ Indigo)

uniRadio: Wir befinden uns hier zum Interview im Ramones-Museum in Berlin. Welchen Bezug habt ihr zu den Ramones?
H.M.: Mein 12-jähriger Sohn fängt gerade an, Musik zu hören und zu spielen. Nach Iron Maiden, AC/DC und Judas Priest hat er nun auch die Ramones entdeckt. Und wir hören auch oft gemeinsam Musik.
Kann er etwas mit deiner Musik anfangen? Was sagt er über Motorpsycho?
H.M.: Er ist da sehr direkt. Neulich hörte ich eine alte Yes-Platte, und er sagte: „Jesus Christ! Was ist das denn?“ Bei einem Motorpsycho-Konzert in unserer Heimatstadt Trondheim mochte er die langen Jam-Passagen und Improvisationen nicht. Da verliert er schnell die Konzentration und die Aufmerksamkeit.
Kenneth, du bist vor zwei Jahren in den Motorpsycho-Kosmos eingetreten. Ist dir der Zugang schwer gefallen?
K.: Naja, zunächst musste ich erstmal hunderte Songs lernen. (Gelächter) Aber so hart war es eigentlich gar nicht. Wir haben alle die gleiche Herangehensweise, den gleichen Background, hören ähnliche Musik und wissen, wie das Zusammenspiel bei Motorpsycho funktioniert.
Wie seid Ihr zusammengekommen?
K.: Wir kamen durch ein gemeinsames Projekt während einer Motorpsycho-Auszeit in Berührung miteinander. Hans Magnus rief mich dann vor zwei Jahren an und fragte mich, ob ich nicht einsteigen wollte. Als wir dann im Proberaum „Burn“ von Deep Purple spielten, spürten wir sofort, das könnte was werden.
Die Veränderungen im Sound auf euerm neuen Album „Heavy metal fruit“ sind kaum zu überhören. Woran lag's? An neuer Konzeption oder verändertem Personal?
H.M.: Eine sehr zentrale Figur war diesmal Kare Chr. Vestrheim, der Produzent, Studioeigentümer und auch Multiinstrumentalist, mit dem wir diesmal unbedingt zusammenarbeiten wollten. Zuerst hatten wir nur ein paar ziemlich einfache Rocksongs mit Heavy-Riffs und simplen Melodien. Vestrheim hat dann mehrere Schichten drauf gepackt und und die simplen Songstrukturen um schöne Harmonien angereichert.
Was zeichnet ihn gegenüber anderen Produzenten aus?
H.M.: Zuerst ist er ein brillanter Musiker in seiner Band The Locomotives, die sich jahrelang den Arsch abgespielt hat. Also er ist ein sehr sensibler Keyboarder und ein regelrechter Soundästhet. Er setzt Synthesizer in einer atmosphärischen Art und Weise ein, die den Sound erweitert.
Wird es denn überhaupt möglich sein, diesen Sound auch live on stage zu reproduzieren?
H.M.: Nein! (großer Gelächter)
Motorpsycho gibt es jetzt seit zwei Jahrzehnten. Seid ihr motiviert genug, um für die nächsten zwei Jahrzehnte zu planen?
H.M.: Die Situation ist heute natürlich eine andere. Aber im negativen Sinne sind wir nicht etabliert. Wir haben noch viele Ideen und sind genauso motiviert wie am Anfang. Aber die nächsten zwanzig Jahre? Ich weiß nicht. Solche langfristigen Pläne machen wir eigentlich nie. Ich weiß noch nicht einmal, was nach dem nächsten Sommer kommen wird.
Interview: Arend Bruchwitz und Alexander Schulz |