Wusstest du, dass man in Süßigkeitenautomaten auf Berliner S-Bahnsteigen sogar Bücher kaufen kann? Dass die Märchen aus 1001 Nacht im Original alles andere als jugendfrei sind? Oder was in einem russischen Sience Fiction Bestseller passiert?
Das und vieles mehr sind die Themen, die im „Dahlemer Diwan" gesendet werden. Jeden Monat hat die Sendung ein anderes Motto und immer dreht es sich um Literatur im allerweitesten Sinne. Interviews, Reportagen, Kritiken oder kurze Hörspiele und dazu jede Menge Musik – das sind die Bausteine des „Dahlemer Diwans." Autoren der Sendung sind Studierende aus der ganzen Welt; sehr vielfältige Themen sind also vorprogrammiert.
Seinen Namen hat der „Dahlemer Diwan" übrigens von der Freien Universität in Berlin Dahlem; am dortigen AVL Lehrstuhl wurde die Sendung erfunden.
Geschichte und Konzept
"Dahlemer Diwan" ist eine monatliche Sendung, die der Vermittlung zwischen der Universität und dem literarischen Leben der Großstadt dient. Sie wurde von Prof. Gert Mattenklott 1996 konzipiert und ist fest im Lehrangebot unseres Institutes für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft verankert.
Hat die Sendereihe den Verbindlichkeitscharakter eines Hochschulseminars, so ist sie dennoch nicht durch betuliche pädagogische Vorentscheidungen thematisch oder stilistisch begrenzt. Sie wird vielmehr von dem Enthusiasmus der Studierenden für Ästhetik und Literatur sowie für ihre Inszenierung und hörspielartige Produktion getragen. Das Engagement zeitigt erstaunliche Ergebnisse. In den Sendungen des letzten Semesters etwa haben wir die Nähe zur Gegenwartsliteratur gesucht. Je nach Thema haben wir Interviews mit und Lesungen von Wolf Biermann, Elke Erb, Thomas Kling, Yoko Tawada, Vladimir Sorokin, Ilma Rakusa, Brigitte Endler und Adolf Endler, Oskar Pastior, dem amerikanischen Dichter Mitch Cohen, sowie zahlreichen Literaturwissenschaftlern und Literaturwissen- schaftlerinnen im In- und Ausland geführt.
Die Basis der studentischen Mitarbeit an Sendungen des Dahlemer Diwan ist die Literatur von der Klassik bis zur Postmoderne sowie die Literaturtheorie, die nach freier Wahl der Beteiligten ausgewählt wird. Das klingt trocken, allzu akademisch, - besser und anders hört sich das an im Radio. Denn in der praktischen Arbeit mit der kommunikativen Aufgabe des Mediums Radio lockert sich der Apartheid zwischen Universität und Leben. Wissenschaft und Wissensvermittlung schulen wir hier parallel zueinander; gleichzeitig werden die Grundfertigkeiten eingeübt, fürs Radio zu schreiben und zu sprechen, und es werden verschiedene Stilgattungen anhand von konkreten Beispielen aus der Geschichte des Radios analysiert. Alle an Radio und an Literatur interessierten Studenten, auch ohne journalistische Vorkenntnisse, sind willkommen.
Schließlich möchte ich betonen, daß die Humanwissenschaften einen Nachholbedarf an Ausbildungsmöglichkeiten haben, die es den Studierenden erlauben, ihr Studium mit Berufsperspektiven und praktischer Öffentlichkeitsarbeit zu verbinden. Bereits mehrere Studenten und Studentinnen haben nach ihren Erfahrungen mit unserer Sendereihe den Weg ins Berufsleben gefunden. Wir verstehen uns aber nach wie vor als eine experimentelle Sendereihe, mal derb, mal theoretisch anspruchsvoll, in jedem Falle avantgardistisch. Dieses Profil wollen wir auch künftig beibehalten.
Beiträge aus vergangenen Sendungen des "Dahlemer Diwan"
Bettina Kracht über den mexikanischen Literaten Ignacio Padilla
"Sukultur- Literatur in Süßigkeitenautomaten" von Sarah Wasch
Literatur aus Finnland: Ein Beitrag von Jenniina Ylönen
Literatur aus der Schweiz - Alles nur Heidi? Ein Beitrag von Julia Prager