Wir haben alle einen - einen Liebling. Wöchentlich küren wir einen neuen Liebling, da unserer Meinung nach jede Woche eine neue Person diesen so glanzvollen Titel verdient. Egal ob aus Politik, Kultur und Boulevard: jeder kann unser Liebling der Woche werden. Und wer es geschafft hat, ziert eingerahmt in einem goldenen Bilderrahmen – unseren Redaktionsraum.
08. März 2010 bis 15. März 2010: Whitney Houston
Natürlich hat es uns in den vergangenen zwei Monaten immer mal wieder in den Fingern gezuckt. Als wir etwa von verunglückten Äußerungen (Guido Westerwelle! Muammar al-Gaddafi!) und missratenen Handlungen (John Terry, Christian Wüst und Margot Käßmann) lasen oder hörten, wollten wir sogleich in die Tasten greifen und eine bissige Kolumne ins ferne Berlin schicken. Aber nein – Urlaub ist Urlaub! Doch seid versichert, liebe Promis, entgangen ist uns dank Internet, Deutscher Welle und malaysischer Tagespresse nichts! Und was mussten wir kurz vor unserer Abreise in der dortigen “New Straits Times” lesen? Das groß aufgeblasene Comeback von Whitney Houston ist gründlich daneben gegangen! Wenig überraschend, wenn man bedenkt, dass sie in den letzten zwei Jahrzehnten, wenn überhaupt, nur in den Skandalspalten präsent war. Als Sängerin hat man sie jedenfalls nicht wahrgenommen – und noch weniger vermisst! Nun fordern hunderte Australier wegen der komplett verhunzten Comebackshows ihre Eintrittsgelder zurück. Houston habe sich durch die Konzerte gekrächzt, auf der Bühne die Orientierung verloren, keine Töne getroffen und nach nur zwei Songs völlig erschöpft gewirkt. Als sie sich backstage (zwanzig Minuten lang!) den Schweiß abtrocknete und das Make-Up erneuerte, hätten ihr Bruder und ein Background-Vokalist inzwischen ihre Gesangsparts übernommen. In den nächsten Wochen wird die einstige selbsternannte Souldiva Frankreich und Großbritannien “beehren”. Unglückliche Ticketbesitzer sollten schon mal versuchen, bei ebay wenigstens noch ein paar Cent für ihre wertlosen Karten herauszuschlagen.
01. Februar 2010 bis 07. Februar 2010
"Die Steuersünder-CD"

Die Schweiz ist empört! In Deutschland fordern Politiker den Kauf einer CD mit Daten von Steuersündern. Das Geld in der Schweiz geparkt und dem deutschen Finanzamt nix davon gesagt. So geht das aber nicht! Die Schweiz bangt um das Bankgeheimnis und gut betuchte Deutsche um ihr Zusammengerafftes....
Fast hatte man schon vergessen, dass eine CD mit Steuersünderdaten aus Lichtenstein für Aufsehen sorgte, da wird diesmal eine Schweizer CD angeboten. Einige Millionen Euro hatte die CD aus Lichtenstein damals eingebracht. Prominentestes "Opfer" war der Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel. Diesmal geht es offenbar um deutlich mehr Geld. Von bis zu 200 Millionen Euro für den Fiskus ist die Rede. Aber der Schäuble will das Geld gar nicht haben. Sind ja auch nur Peanuts angesichts der 100 Milliarden Schulden allein in diesem Jahr. Mal so zum Vergleich: von 200 Millionen könnte man etwa 500 Lehrer 10 Jahre lang beschäftigen - nicht das wir ein Problem in der Bildung hätten....
Aber leider könnten auf der ominösen Steuer CD auch Namen von Wählern der schwarz-gelben Koalition auftauchen. Man will fast sagen große Namen, aber man weiß es halt nicht. So langsam sollte man die Koalition in Klientel-Koalition umbenennen. Die Hoteliers, die privaten Krankenversicherungen und jetzt Steuersünder.... Jetzt wird es eng für die Wahlen in Nordrhein-Westfalen. Da distanziert man sich ohnehin schon von den berliner Parteikollegen. Und für die Opposition aus SPD, Grünen und Linkspartei ist so eine kleine, unscheinbare CD ein gefundenes Fressen. Sie sagen "Ja!" zum Kauf. 2,5 Millionen will der geheimnisvolle Anbieter haben. Ein Rendite von bis zu 80 % da würde so manch gieriger Banker gern zugreifen.
Das ist doch "bäh!", sagen die Koalitionäre, man kauft keine Hehlerware. Da könnten doch Nachahmer auf die Idee kommen, noch mehr brisante Kontodaten preiszugeben. Hoffentlich will man da nur sagen....denn wer ist hier eigentlich der Dieb?
25. Januar 2010 bis 31. Januar 2010: "Dazwischengefunkt"

Dazwischenfunken wird uniRadio ab der nächsten Woche regelmäßig am Montag. Der uniRadio „Liebling der Woche“ wird abgelöst. Das heißt aber nicht, dass wir Fehltritte von Politikern, Prominenten oder Institutionen in Zukunft nicht mehr kommentieren. Ganz im Gegenteil! Wir werden noch genauer hinschauen, wir wollen noch bissiger werden und auch mal ein Thema selbst auf die Agenda setzen.... Egal ob Sarrazin mal wieder übers Ziel hinausschießt, die S-Bahn uns weiter in der Kälte warten lässt oder Parteien ihre Klientel allzu offensichtlich belohnen, wir werden dazwischenfunken.
Selbstverständlich können alle Hörer Vorschläge machen wo mal kräftig dazwischengefunkt werden soll. Gern nehmen wir Vorschläge auf – der Phantasie sollen dabei keine Grenzen gesetzt werden.
In dieser Woche hätte ich zum Beispiel mal gern dem venezuelanischen Staatschef eine vor die Zwölf gefunkt. Während sich zwanzig Staaten in Kanada zu einer Geberkonferenz für Haiti versammeln. Ist der Hugo darauf bedacht den Amerikanern Neo-Kolonialismus vorzuwerfen.
Als wenn es jetzt nichts wichtigeres gäbe als Hahnenkämpfe auf Präsidentenebene. Aber auch die kleinen Alltagsärgernisse sollen nicht unbemerkt bleiben. In diesen Wintertagen sollte man mal den Vermietern, Hausverwaltern und Wohnbaugesellschaften dazwischenfunken. Wie mir geht es wahrscheinlich Tausenden. Weder funktioniert meine Heizung im Schlafzimmer noch in der Küche. Reparatur in der Warteschlange. Dankeschön! Ist ja was ganz Neues, dass es im Winter auch mal kalt werden kann. Bei „kalt“ fällt mir noch was Schönes ein.... Wer ist eigentlich auf die schwachsinnige Idee gekommen, die kleinen elektronischen Spielzeuge wie Handy, Ipod oder Digicam immer mehr mit Touchscreens auszustatten? Schon mal bei -15 Grad mit Fäustlingen per Touchscreen gewählt? Selbst wenn es nicht so kalt ist, sehen die Bildschirme schon Minuten nach dem Abziehen der Schutzfolie aus als hätte man sein Butterbrot damit geschmiert.... Wahrscheinlich stecken die Hersteller mit den Lieferanten für Nano-Lotuseffekt-Superschutzfolien unter einer Decke. Wenn die Scheißdinger bloß halten würden.....und mit Handschuhen funktioniert trotzdem nichts.
18. Januar 2010 bis 24. Januar 2010: Die grüne Woche

Seit Freitag läuft die Grüne Woche in Berlin. Zum 75. Mal findet sie in diesem Jahr statt. Rund 1.600 Aussteller aus allen Ländern aus 56 Ländern sind auf der großen Leistungsschau der Land- und Ernährungswirtschaft zu sehen. Die Messe ist groß, man kann ihr nicht entgehen und wer noch nie da war, sollte sie sich in der Tat einmal ansehen. Wer sie dagegen die letzten Jahre schon sehen durfte, dem sei gesagt: Es ist genauso wie die vorigen drei Jahre auch. Viele Leute, viel Gedränge, viel Essen, viele hartnäckige, fast schon penetrante Gerüche und so weiter. Die Eintrittspreise waren in diesem Jahr fairer als in den letzen. Aber man mache sich bitte trotzdem keine Illusionen: Es gibt zwar viele Rinder und viele Schafe zu sehen, aber geschoren und gemolken werden vor allem die Besucher. Umsonst bekommt man auf der Grünen Woche nämlich im Grunde nichts. Jedes noch so mickrige Probierbecherchen und jedes Miniportiönchen muss bezahlt werden und die Preise sind oftmals happig. An manchen Ständen muss man sogar bezahlen nur um einmal am Glücksrad drehen zu dürfen. Wirkliche Neuerungen gibt es nicht, die Hallen für alternative Energien, Fairtraide und Biologische Ernährung sind im Vergleich so klein, das der Eindruck entstehen muss, die Messeverantwortlichen hätten sie nur dabei, um sagen zu können: „Ja aber natürlich haben wir auch Bio, Fairtraide und grüne Energien!“ Die Messe ist heute in etwa genauso richtungsweisend wie ein Trabant. Aber irgendwie mag man sie, man hat sich an sie gewöhnt, fast würde ich sagen, man braucht sie. Keine Ahnung wozu, denn wie gesagt, es gab die letzten Jahre und auch in diesem nichts Neues, aber irgendwer scheint sie zu brauchen und seien es nur die, die daran verdienen. Rund 400.000 Besucher erwarten die Veranstalter bis zum 24. Januar. Alleine 100.000 waren laut Veranstalter schon an diesem Wochenende da. Und sie alle werden auch im nächsten Jahr wieder zur Grünen Woche rennen. Und wir werden, wie es aussieht wieder drüber berichten. Wir können nicht ohne Grüne Woche. Warum? Um sich darüber aufzuregen.
11.Januar 2010 bis 17.Januar 2010-Lothar Matthäus

Er hält sich für das ewig verkannte Fußballgenie, dem weltweit die verdiente Dankbarkeit und Würdigung zuteil wird – nur nicht in seiner Heimat Deutschland, wo er als Dampfplauderer und Wichtigtuer gilt. Nicht ungeschickt hatte Lothar Matthäus immer wieder, wenn es in Deutschland eine Trainerstelle zu besetzen galt, seinen Namen lanciert – berücksichtigt wurde er nie. Seine Landsleute sind gewarnt: Ob in Brasilien, Österreich, Israel, Ungarn oder Serbien – stets trennte man sich vor Vertragsende von ihm. Alle Erfolge aufzuzählen, die der Sportler Matthäus im Laufe seiner mehr als zwei Jahrzehnte währenden Laufbahn errungen hat, würde den Rahmen dieser Laudatio sprengen. Umso unrühmlicher war sein Abgang aus der Nationalmannschaft, als die von Erich Ribbeck betreute Elf bei der 2000-er EM gegen Portugals B-Team tor-, sang- und klanglos ausschied. Aber “ein Lothar Matthäus” (L.M. über L.M.) ist nicht nur mit dem Fußball verheiratet. Von ähnlich kurzer Dauer wie die Stationen seiner Trainer-”Karriere” waren auch seine bisherigen Ehen. Besonders beunruhigt uns, dass die Intervalle zwischen Heirat und Scheidung immer kürzer werden. So langsam stößt Lothar Matthäus, was die Anzahl der gescheiterten Ehen angeht, in die Dimensionen eines Gerhard Schröder und Joschka Fischer vor. Da fällt uns ein: Als Bundeskanzler oder Außenminister hat er sich noch nicht selbst ins Gespräch gebracht. Obwohl der notorische Selbstüberschätzer sich wohl auch für diese Ämter für befähigt hält.
04.Januar 2010 bis 10.Januar 2010- Die BVG

Für zwei Wochen mussten Leser und Verfasser dieser Kolumne auf den “Liebling der Woche” verzichten. Der Autor dieser Zeilen – im folgenden der Einfachheit halber “ich” genannt – hatte sich auf einer kleinen Reise befunden, um dieser “Weihnachten” genannten Konsumorgie zu entfliehen. Auf der Fahrt vom Flughafen Tegel in die ausgekühlte Prenzlberger Wohnung hatte ich, von Jetlag, Flug und 30 Grad Temperaturunterschied noch etwas geschwächt, ein kleines Täschchen mit zwei Schlüsseln und 4,53 € in Münzen im Bus verloren. Ein Telefonanruf im BVG-Fundbüro ergab tatsächlich, dass ein ehrlicher Fahrgast das kleine schwarze Etui beim Busfahrer abgegeben hatte. Wer jetzt an ein versöhnliches Ende denkt, hat die Rechnung ohne die BVG-Bürokratie gemacht. Als ich, der Eigentümer, wieder in den Besitz von Schlüsseln und Kleingeld gelangen wollte, wurde mir beschieden, ich habe 7 € zu entrichten. Ich sollte also mein Eigentum zurückkaufen! 7 € für Dinge, die mir nachweislich bereits gehörten! Bei Weigerung würden die Schlüssel vernichtet und die 4,53 € flössen in die BVG-Kasse. Nun habe ich sechs Wochen Zeit, pro & contra dieses Deals abzuwägen. Bisher ist die Rückgabe meines Eigentums an einem weiteren Detail gescheitert. Der Aufforderung, den Personalausweis vorzulegen, konnte ich nicht Folge leisten. Ich hatte ihn, vom Missgeschick etwas verunsichert, absichtlich nicht eingesteckt – aus Angst, ihn zu verlieren!
14.Dezember 2009 bis 20.Dezember 2009- Tiger Woods

Nahezu täglich versorgen Klatschblätter die sabbernde Öffentlichkeit mit immer neuen Details aus dem Intimleben von Tiger Woods. BILD hat mal durchgezählt: Elf leichte Damen (darunter Pornodarstellerinnen und Models) sollen es bereits sein, zu denen Tiger Woods amouröse Beziehungen unterhielt. Das wäre weniger problematisch, wenn Woods nicht seit fünf Jahren verheiratet wäre und als tadelloser Ehemann gegolten hätte. Natürlich findet dies seine Gattin Elin Nordegren nicht halb so witzig wie der nach immer neuen Einzelheiten lechzende Boulevard. Auch die Sponsoren, die, mehr noch als die üppigen Preisgelder, Tiger Woods zum ersten Sport-Milliardär gemacht hatten, gehen auf Distanz. Seit Beginn des Skandals hat die Fernsehnation keinen Werbespot mehr mit ihm gesehen. Die Kosmetik-, Uhren-, Getränke- und Klamottenhersteller hatten auf einen makellosen Saubermann gesetzt. Die ganze Geschichte war ins Rollen gekommen, als Woods' Ehefrau von einer seiner zahlreichen außerehelichen Affären Wind bekam. Sie griff zu einem Gegenstand, der in der geräumigen Villa gerade verfügbar war, einem Golfschläger, um auf ihren Gatten einzuprügeln. Der flüchtete sich in seinen Cadillac Escalade – und knallte gegen einen Baum, während ihm die wutentbrannte Mrs. Woods die Heckscheibe zertrümmerte. Die 164 $ Strafe, die ihm die Polizei von Florida für den Unfall in Rechnung stellte, wird er leicht verschmerzen können. Viel schwerer wiegt das demolierte Image des bestbezahlten Athleten auf Erden. War es das wert, Mr. Woods?
07.Dezember 2009 bis 13.Dezember 2009- Gerd-Rüdiger Hoffmann

Wie alle ehemaligen Stasi-Spitzel wehrt sich Gerd-Rüdiger Hoffmann, kulturpolitischer Sprecher der Linkspartei in Brandenburg, nach dem altbekannten Muster. Selbstverständlich habe er nie für die Stasi spioniert, versichert er zunächst. Die Indizien verdichten sich, und Hoffmann wird schon kleinlauter: Er könne sich nun wirklich nicht an die Vorgänge vor ein paar Jahrzehnten erinnern. Die Aktenlage wird immer eindeutiger, doch Hoffmann hat einen weiteren Trumpf im Ärmel: Dann müssten sie ihn ohne sein Wissen als Informanten geführt haben. Als schließlich eine handschriftliche Verpflichtungserklärung auftaucht, erinnert sich Hoffmann plötzlich, niemandem geschadet zu haben. Das dürften seine früheren Mitschüler, Lehrer und Kirchenleute, die er als IM "Schwalbe" bei der Stasi angeschwärzt hat, ganz anders sehen. Die Beweislage ist längst so erdrückend, dass die Landtagsfraktion ihn aus derselben ausgeschlossen hat. Abgeordneter aber will er bleiben. Einige Parteifreunde waren da konsequenter. Kerstin Kaiser und Thomas Nord hatten bereits vor den Landtagswahlen ihre Stasi-Verstrickungen eingeräumt und - wie honorig! - auf ein Ministeramt in der rot-roten Landesregierung verzichtet. Renate Adolph legte ihr Landtagsmandat ehrenvoll nieder. Und Gerlinde Stobrawa trat – sehr anständig! - als Vizepräsidentin des Landtages zurück. Sie habe ihrem ehemaligen Geheimdienst gepetzt, dass ein Kollege einen SED-Funktionär “Arsch” und einen weiteren “dummes Schwein” genannt habe. So was tut man doch nicht!
30.November 2009 bis 06.Dezember 2009-Franz Josef Jung

Einen Rekord wird Franz Josef Jung niemand mehr nehmen können: Er ist mit vier Wochen derjenige Minister mit der kürzesten Amtszeit. Glückwunsch! Nachdem der lustlose Michael Glos auf eigenen Wunsch aus der schwarz-roten Bundesregierung ausgeschieden war, wurden hohe Beträge darauf gewettet, dass Franz Josef Jung der nächste sein würde. Zu offensichtlich war Jungs inkompetente und ungeschickte Amtsführung. Als er dann Anfang September leugnete, dass eine Bombardierung, die vom deutschen Oberst Georg Klein befohlen worden war, auch zivile Opfer gefordert hatte, schien die letzte Amtsstunde des Verteidigungsministers zu schlagen. Doch Opposition und Medien waren wohl schon zu sehr mit den bevorstehenden Bundestagswahlen beschäftigt - ihre Rücktrittsforderungen an Jung blieben halbherzig. Er schleppte sich schließlich über die Ziellinie. Unverständnis, Entsetzen und Kopfschütteln waren noch die höflicheren Reaktionen auf Jungs Nominierung zum Sozialminister. Offensichtlich wollte sich seine Chefin Merkel nicht mit der mächtigen Hessen-CDU anlegen. Aber damit ist es ja auch schon wieder vorbei. Und Franz Josef Jung hatte gar keine Gelegenheit mehr gehabt zu beweisen, dass er auch zur Führung des Arbeitsministeriums denkbar ungeeignet ist. Jungs hessischer Parteifreund Roland Koch hat sein mit missionarischem Eifer vorangetriebenes Ziel, dem angesehenen ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender eine zweite Amtszeit zu verbauen, nun erreicht – am Tag von Jungs unumgänglichen Rücktritt. Koch sollte es ihm gleichtun.
23.November 2009 bis 29.November 2009-Thierry Henry

Wahre Fußballfans finden diese ganzen Tricksereien nicht clever, sondern unfair. Das Schinden eines Elfmeters, das Fordern einer Roten Karte für den Gegenspieler, das versteckte Handspiel. Und so dürfte der echte französische Fußballfreund sich kaum über die späte Qualifikation der Equipe Tricolore im Entscheidungsspiel gegen Irland freuen können. Dass Thierry Henry das Handspiel, das zum 1:1 führte, später einräumte, kann ihm kaum zugute gehalten werden. Zu eindeutig, ja beweiskräftig, waren die Bilder. Wäre es wirklich zu viel verlangt, dem Schiedsrichter gegenüber sofort das Handspiel zuzugeben? Womöglich ja! Das gesamte Stade de France hätte Thierry Henry mit einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert gestraft. Und die letzte Chance des 32-jährigen Stürmers auf ein WM-Turnier wäre dahin gewesen. Wenn nun endlich wieder die Einführung des (im Tennis und beim Eishockey seit langem erfolgreich praktizierten) Videobeweises diskutiert würde – Henrys absichtlichem Handspiel könnte fast noch ein positiver Aspekt abgewonnen werden. Auf unsere Sympathien wird die französische Nationalmannschaft bei der bevorstehenden Weltmeisterschaft in Südafrika dennoch nicht zählen können. Selbst wenn sie (wider Erwarten) groß aufspielen sollte - wir werden dem Gegner der Blauen die Daumen drücken, auch wenn das die um ihre WM-Teilnahme betrogenen Iren kaum trösten dürfte. Oh je, Les Bleus!
16.November 2009 bis 22.November 2009-DSF

Neulich bei dem Konzert der New Yorker Felice Brothers im Lido sagte einer der Musiker, als die anderen ihre Instrumente neu stimmten, er habe letzte Nacht im Hotelzimmer noch ein wenig ferngesehen. “You guys got strange channels here.” Er muss nicht etwa bei Phoenix oder ARTE hängen geblieben sein, sondern beim DSF. Wenn man sich deren “Programm” so ansieht, ist einem schleierhaft, wie es den Status “Sportfernsehen” erhalten und verteidigen konnte. Negativer Höhepunkt ist das sogenannte “Sportquiz”, in dem (bis zu 7 Stunden täglich!) eine sogenannte Moderatorin (abends: topless) von willenlosen Zuschauern, die saftige Gebühren pro Anruf zahlen, “Automarken mit A” erraten lässt. Grauenvoll! Nach Mitternacht wird's richtig versaut: In den sogenannten “Sport Clips” räkeln sich barbusige Vollweiber in ziemlich ordinären Körperhaltungen auf Fußballplätzen, an Schwimmbecken und auf Motorhauben. Prickelnde Erotik sieht anders aus! Nun hat das DSF bekanntgegeben, sich ab 2010 “Sport 1” nennen und wieder mehr Sport zeigen zu wollen. Sehr löblich! Denn hier soll auch konzediert werden, dass, zugegeben kleinere, Sportereignisse (im Handball, Eishockey, Basket- und Fußball) vom DSF in durchaus professioneller Weise übertragen und kommentiert werden. Wir hoffen also auf einen Neuanfang, Sport 1! Was sollen sonst die Deutschlandbesucher von uns denken...
09.November 2009 bis 15.November 2009-Andre Agassi

Nun hat er auch seine Lebenserinnerungen geschrieben. Mit 39! Ist schon so viel passiert oder fürchtet er, dass sich in der zweiten Lebenshälfte nichts Berichtenswertes mehr ereignet? Aber schon richtig: Eine ansehnliche Tenniskarriere ist allemal aufregender als die geistigen Ergüsse des hauptberuflichen Ehemannes von Stefanie Graf. Eine “schonungslose Darstellung seiner Fehler und falschen Entscheidungen” kündigte Andre Agassi an. Und damit auch alle anbeißen, denen der frühere Tennisstar einst feuchte Träume bescherte, schickt er der Veröffentlichung zwei Geständnisse voraus. Erstens: Ja, ich habe gedopt! Zweitens: Ja, ich habe ein Toupet getragen! Uns entlocken diese “sensationellen Neuigkeiten” bestenfalls ein müdes Schulterzucken. Aber der Memoirenschrieber und sein deutscher Verlag hoffen auf ein großes Geschäft, wenn “Open. Das Selbstpoträt” ab diesem Montag in den Buchläden ausgelegt wird. Die Startauflage beträgt 100.000 Exemplare, und Agassi wird das Buch im Dezember auch höchstpersönlich in Berlin vorstellen. Sicher auf einer Pressekonferenz, die von N24, n-tv und DSF live übertragen wird. Eine Lesereise, wie bei seriösen Schriftstellern, wird es wohl eher nicht geben. Wir freuen uns schon auf den großen Fernsehmoment, wenn der Literaturkritiker und “Druckfrisch”-Moderator Denis Scheck “Open” mit langen Fingern in den Papiercontainer gleiten lässt. Hoffentlich muss er es nicht vorher lesen, der Ärmste!
02.November 2009 bis 08.November 2009-Günther Oettinger

Unsympathisch! Das ist das erste Attribut, das uns zu Günther Oettinger einfällt. Aber persönliche Befindlichkeiten sollen in dieser Kolumne wie stets zurückgestellt werden. Viele weitere Gründe sprechen für eine Nominierung zum “Liebling der Woche”. Da ist zunächst seine soeben erfolgte Abschiebung nach Brüssel durch CDU-Chefin Merkel, die durch diesen Schachzug auf elegante Weise einen unliebsamen Parteifreund entsorgt. Das bei der Bundestagswahl eingefahrene CDU-Ergebnis in Baden-Württemberg ließ für die nächsten Landtagswahlen Schlimmes befürchten. Nur um Haaresbereite war Oettinger einem Rauswurf entgangen, als er den früheren Nazi-Marinerichter und Amtsvorgänger Hans Filbinger zum NS-Gegner umwidmen wollte. Dann war es in Oettingers traditionell rechtem Landesverband bei Trinkgelagen zur öffentlichen Aufführung von Soldatenliedern gekommen. Und schließlich wollte sich Oettinger auf unfeine Weise seines populären Finanzministers entledigen. Aber auch menschlich wurden wir nie richtig warm mit dem steifen Günther Oettinger. Sein antrainiertes Lächeln wirkt wenig glaubwürdig. Seine krampfhafte Lockerheit vermag kein Eis zu tauen. Seine verweifelten Versuche, sympathisch zu wirken, bleiben erfolglos. Und da ist auch und vor allem sein breiter schwäbischer Dialekt, der mit einem trommelnden Stakkatostil eine unheilvolle Symbiose eingeht. Nun also seine Weglobung zur EU-Kommission, die bei seinen künftigen Kollegen für Kopfschütteln und Entsetzen gesorgt haben soll. Viele Kenner der Materie halten Oettinger europapolitisch für weniger kompetent als Amtsvorgänger Verheugen. Doch wenigstens namentlich ist für Kontinuität gesorgt: auf Günther folgt Günther.
26.Oktober 2009 bis 01.November 2009-Hermann Otto Solms

Schluchz! Nun wird es wieder nix mit dem ersehnten Kabinettsposten. Hermann Otto Solms ist auch wirklich zu bedauern. Die Kanzlerin verteilt die Ministerien, und er wird wieder nicht berücksichtigt.Während sich der Lebenstraum für Rainer Brüderle (Wirtschaft) und Guido Westerwelle (Äußeres) erfüllt, scheint der von Hermann Otto Solms nun endgültig ausgeträumt. Nach dieser Legislaturperiode wird er 73 sein – zu alt, um mit dem nächsten Bundeskabinett jugendlichen Aufbruch zu signalisieren. Das Leben kann so ungerecht sein! Dabei wäre Hermann Otto Solms doch so gerne Bundesfinanzminister geworden! Auch von der Unfähigkeit bisheriger Ressortchefs hat er sich nicht von seinem großen Ziel abbringen lassen. Als er nach dem Wahlttag in die Schatulle des Bundes blickte, habe er zu seiner großen Überraschung einen “finanziellen Scherbenhaufen” vorgefunden. Die Voraussetzungen für Steuersenkungen, so Solms in der F.A.S., seien “äußerst unbefriedigend”. Warum hat ihm das niemand vor dem 27. September gesagt? Das konnte der FDP-Schatzmeister doch nicht ahnen! Wer hätte denn damit gerechnet? Auch bei den Sondierungsgesprächen mit den künftigen Koalitionspartnern agierte Solms unglücklich. Der Plan, die angekündigten Steuersenkungen mit einem Schatten-, Nachtrags- oder Nebenhaushalt zu finanzieren, musste aufgrund verfassungsrechtlicher Bedenken schnell wieder aufgegeben werden.Hermann Otto Solms' innigster Wunsch nach der Krönung einer deutschen Politikerkarriere hat sich nun also wieder nicht erfüllt. Doch wird er sich damit trösten können, dass er nun nicht für die ausbleibende Erfüllung vollmundiger Wahlversprechen in Haftung genommen wird.
18.Oktober 2009 bis 25. Oktober 2009- Bruce Darnell

Uns hat schon immer gewundert, mit welcher Qualifikation und mit welcher Berechtigung sogenannte Juroren im Fernsehen die Teilnehmer von Castingshows runterputzen. Die Jurys dieser (Fernseh-)Republik sind eher mich lächerlichen Figuren besetzt als mit ernstzunehmenden Fachleuten. Dennoch tun sie vor einem Millionenpublikum so, als könnten sie ganz allein über das Gelingen oder Scheitern einer “Karriere” entscheiden.Seit vergangenem Freitag sitzt Bruce Darnell wieder in einem Gremium, das für RTL das “Supertalent” sucht. Worin Bruce Darnells Talent besteht, haben wir trotz intensiver Recherchen noch nicht ermitteln können. Seit er selbst zu alt für's Modeln ist, betätigt er sich als Choreograph, gibt ungefragt Livestyling-Tipps oder trainiert Möchtegern-Models. So so. 2006 hob oder senkte er den Juroren-Daumen für das Pro-Sieben-Casting “Germanys Next Topmodell”, woraufhin die Kandidatinnen entweder in Freudentränen oder Schreikrämpfe ausbrachen. Im Winter 2008 blamierte sich die ARD bis auf die Knochen, als sie sich mit der Coachingshow “Bruce” bei einer jüngeren Zielgruppe anbiedern wollte. Da bis zur nächsten Staffel von “Das Supertalent” noch ein paar Monate zu füllen waren, saß er in Talkshows rum, unterzeichnete Werbeverträge und trat in Kochsendungen auf. Obwohl er also permanent in der Öffentlichkeit ist (darin könnte sein Talent bestehen!), scheint ihn niemand richtig zu kennen. Alles an ihm ist Fake und Fassade. Ob er spricht, läuft, gestikuliert – alles wirkt gekünstelt. Das geht sogar so weit, dass man ihm nicht einmal seine Tränen abnehmen will. Wer also ist der wahre Bruce Darnell? Oder ist er am Ende tatsächlich so? Na, wollen wir mal nicht gleich vom Schlimmsten ausgehen!
05.Oktober 2009 bis 11. Oktober 2009- David Lettermann

Dass einer, der sich allabendlich über die Loser des Tages lustig macht, früher oder später selbst zur Zielscheibe werden würde – dies muss dem Spötter David Letterman immer bewusst gewesen sein. Nun, da er öffentlich für mehrere Affären Buße tat, war es soweit.Natürlich darf David Letterman auch von seinen Late-Night-Show-Kollegen keine Schonung erwarten. NBC-Nighttalker Jay Leno warnte sein Publikum gleich zu Beginn: “Wenn Sie erwartet haben, mit dem Moderator dieser Show eine Affäre anfangen zu können – dann sind Sie im falschen Studio!”Viele Prominente, die im Laufe der Jahrzehnte Opfer des scharfzüngigen Letterman geworden waren, dürften nun ein wenig Genugtuung empfinden. Aber der Medienprofi, den Erpresser um zwei Millionen Dollar erleichtern wollten, ging sogleich in die Offensive. Er entschuldigte sich vor laufender Kamera, völlig ironiefrei, bei seiner Ehefrau Regina. Ganz Amerika, das von den Seitensprüngen aus den CNN-Breaking-News erfahren hatte, ist nun gespannt, ob Frau Letterman die Demutsgeste ihres Gatten akzeptieren wird. Viel interessanter allerdings war für die Fans seiner CBS-Lateshow, ob der prominente Nighttalker soviel Humor besitzen und sich auch selbst auf's Korn nehmen würde. Aber natürlich! Er wisse, so der nun wieder schelmische Letterman, dass er bei vielen Frauen “unten durch” sei. Am Morgen im Auto habe nicht einmal mehr die weibliche Stimme seines Navigationsgerätes mit ihm reden wollen.
05.Oktober 2009 bis 11. Oktober 2009- Thilo Sarrazin

Thilo Sarrazin kann einfach den Mund nicht halten. Wie oft hat er nach dem von ihm verzapften Ärger geschworen, künftig verbale Enthaltsamkeit üben zu wollen. Doch nun ist er wieder rückfällig geworden. Als wollte er nach ungezählten missratenen Statements beweisen: Seht her, wie scharf zu analysieren und wie ausgewogen zu formulieren ich gelernt habe, hat Sarrazin, mittlerweile von Finanzsenator zum Bundesbanker aufgestiegen, wieder ein großes Interview gegeben. Nach Hartz-IV-Empfängern, Lehrern, Beamten und den Achtundsechzigern hat er sich nun, wie gewohnt politisch unkorrekt, die Zuwanderer vorgenommen. Diese seien “weder integrationswillig noch -fähig”, sorgten nicht vernünftig für ihre Kinder und produzierten ständig “neue kleine Kopftuchmädchen”. Eine große Zahl an Arabern und Türken hätten keine “produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel”. Nicht wenige fühlten sich an übelste NPD- und DVU-Propaganda erinnert. Die Staatsanwaltschaft prüft den Anfangsverdacht der Volksverhetzung. Thilo Sarrazins Bundesbankkollegen distanzierten sich sofort von den “diskriminierenden Äußerungen”. Doch auch mit einer nachgereichten Entschuldigung ließen sich die Entgleisungen nicht wieder einfangen. Sarrazins Ex-Chef Klaus Wowereit dürfte heilfroh sein, ihn rechtzeitig bei der Bundesbank entsorgt zu haben. Sarrazins neue Arbeitgeber haben nun auch begriffen, wen sie sich da eingefangen haben: Thilo Sarrazin ist zwar kein populistischer Scharfmacher, aber ein undiplomatischer Quatschkopp!
28. September 2009 bis 04.Oktober 2009-Franz Müntefering

Das schönste Amt neben dem des Papstes wird er getz' wohl aufgeben müssen. Obwohl: die ehemalige Volkspartei SPD zu führen, ist schon lange nicht mehr vergnügungssteuerpflichtig!Überraschend nur, dass Franz Müntefering nach dem erneuten Absturz, diesmal auf den Nachkriegsrekord von 23 %, erstmal keinen Gedanken an einen Rücktritt verschwendete. Ungezählt die Landtagswahlen, bei denen die SPD zuvor von der Regierungs- zur Oppositionspartei geworden war. Geder Beobachter erwartet getz', dass die Parteilinke eine stärkere Berücksichtigung in der Führungsspitze einfordert. Spätestens zum Bundesparteitag im November wird der fast 70-jährige Müntefering wohl den Posten räumen müssen - egal, ob er getz' wirklich für das Wahldesaster hauptverantwortlich ist. Als treuer Parteisoldat wird er sich gedenfalls nicht lange bitten lassen. So wie er die Übernahme eines Parteiamtes nie ausgeschlagen hat. Ob Bundesgeschäftsführer, Fraktionschef, Generalsekretär oder zweimal Bundesvorsitzender: Münte war stets loyal bis zur Selbstverleugnung.Und wenn ihm nun gemand vertrauensvoll und einfühlsam eröffnet, dass seine Partei im Bundesvorsitz dringend einen Generationswechsel benötige, wird sich das leidenschaftliche SPD-Mitglied Franz Müntefering dem nicht verweigern. Münte also dürfte getz' viel Zeit haben für seine 40 Jahre jüngere Freundin. Und geder gönnt es ihm!
21. September 2009 bis 27.September 2009- Ottfried Fischer

Prinz Harry feiert seinen 25. Geburtstag. Sandy Meyer-Wölden und Oliver Pocher sind schwanger. Robbie Williams hat Heiratspläne. Ja, passiert denn gar nichts Wichtiges mehr? Und ob! Ottfried Fischer hat Ärger mit vier Prostituierten!Da er uns weder als Schauspieler noch als Talkmaster, geschweige denn als Kabarettist bisher sonderlich beeindruckt hat, führen wir ihn im folgenden der Einfachheit halber mit der Berufsbezeichnung “Ottfried Fischer”. Sein Scheidungsdrama, über das wir dank BILD vor drei Jahren minutiös unterrichtet wurden, ist uns noch in bester Erinnerung. Nun hat Ottfried Fischer wieder Trouble mit Vertreterinnen des horizontalen Gewerbes. Als er vor kurzem seinen Kontoauszug studierte, traute er seinen Augen kaum. Neben maßlosen ARD-Honoraren (“Pfarrer Braun”) und großzügigen SAT 1-Tantiemen (“Der Bulle von Tölz”) hatte die Kreditkartenfirma sein Konto mit 32 580 € belastet. Fischers erste Reaktion, er kenne diese Damen gar nicht, musste er recht bald revidieren. Er räumte ein, die vier bayerischen Prostituierten “für ein paar Tage” in seiner Münchener Stadtwohnung zu Gast gehabt zu haben. Die Höhe der Rechnung sei aber bei weitem überhöht. Wir haben keine Ahnung, wie sich selbst bei den im Münchener Rotlichtmilieu wohl horrenden Preisen 32 580 € anhäufen können. Welche seltsamen Sexualpraktiken hat Ottfried Fischer den vier Edelnutten wohl abverlangt? Liebe Münchener Huren, könnt Ihr einem so treuen, langjährigen Kunden nicht ein wenig Mengenrabatt einräumen? So dicke hat es Ottfried Fischer nun auch nicht!
14. September 2009 bis 20.September 2009- Jörg Pilawa

Jeder der vier großen Fernsehsender hält sich einen Allzweckmoderator. Er hat in den frühen 90-er Jahren seine Karriere mit einer trashigen Daily Talkshow begonnen, ist nun seit etwa zehn Jahren so um die 40, sieht nach Ansicht professioneller Schwiegermütter nicht ganz beschissen aus und kommt durch seine Profillosigkeit und Windschnittigkeit für jedes Showformat in Frage. Die ARD hat Jörg Pilawa. Das ZDF schleppt Johannes B. Kerner mit durch. Für RTL moderiert Oliver Geissen alles aus dem Weg, was ihm in die Quere kommt. Und SAT 1 hat sich für diesen Zweck Kai Pflaume angeschafft.Doch nun ist personell einiges in Bewegung geraten. Kerner geht zu SAT 1, weil er dort, fürstlich entlohnt, wieder die Fußballshow “ran” moderieren darf. Und Jörg Pilawa wechselt zum ZDF, weil denen Kerner abhanden gekommen ist. Welche Formate ihm die ZDF-Programmverantwortlichen ab Herbst 2010 anbieten werden, ist noch nicht entschieden. Sicher ein Quiz, vielleicht eine Talkshow, vermutlich eine Kochsendung, womöglich “Das aktuelle Sportstudio”. Egal was, Pilawa wird weiter alles mit kühler Routine wegmoderieren. Er wird auch künftig sein unverbindlichstes Lächeln anknipsen. Er wird weiterhin so tun, als seien ihm alle Quiz-Kandidaten gleichermaßen sympathisch. Er wird nicht aufhören, sich auszuschütten, wenn ein Showgast einen schlechten Gag macht. Aber was wir einfach nicht mehr ertragen können, ist sein verlogener Zuschauerflirt. Pilawa, hör endlich auf, ständig in die Kamera zu zwinkern!
07. September 2009 bis 13.September 2009-Kacha Kaladze

Wenn ein erst eingewechselter Fußballer im Laufe der regulären Spielzeit vom Trainer wieder ausgetauscht wird, nennt man das “Höchststrafe”. Und eigentlich gibt es in diesem Ballsport auch für jede Situation eine entsprechende Bezeichnung oder Phrase.Im Fußballjargon ist also ständig von “Fahrstuhlmannschaften”, “Flatterbällen” und “Sechs-Punkte-Spielen” die Rede. Fußballhasser zucken nur mit den Schultern, wenn Fußballfreunde von “roter Laterne”, “Sonntagsschüssen” und “Doppelschlag” fachsimpeln. Sepp Herbergers Fußballweisheiten (“Der Ball ist rund”) füllen ganze Bibliotheken. Und auch die Gesetzmäßigkeiten (“Der gefoulte Spieler sollte nie einen 11 Meter treten!”) sind jedem Fan vertraut. Doch wie nennt man es, wenn einem Abwehrspieler innerhalb eines Spieles gleich zwei Eigentore unterlaufen? Für einen Toreverhinderer ein Alptraum! Es kommt einfach zu selten vor.Genau dies ist am vergangenen Wochenende dem georgischen Abwehrspieler Kacha Kaladze im WM-Qualifikationsspiel gegen Italien passiert.Innerhalb von zehn Minuten verhalf er dem Titelverteidiger zu zwei Treffern. Bis dahin hatten die Italiener in den letzten drei Länderspielen gar nicht getroffen!"Unhaltbar", schwärmten die italienischen Stürmer mit Ladehemmung. Nun lernten sie das seltene Gefühl kennen, wie es ist, Spiele zu gewinnen, ohne selbst Tore erzielen zu müssen. Dass der Georgier Kacha Kaladze, wenn er nicht im georgischen Nationaltrikot Tore verhindert, beim italienischen Erstliga-Club AC Milan angestellt ist, dürfte Zufall sein. Oder?
31. August 2009 bis 06. September 2009 - Dieter Althaus

Triumphgefühle sind uns angesichts der vernichtenden Wahlniederlage von Dieter Althaus fremd. Doch eine gewisse Schadenfreude können wir nicht unterdrücken. Nach fünfjähriger Alleinherrschaft reicht's nun nicht mal mehr für ein Bündnis mit der FDP. Für einen Moment hatten wir Mitleid mit ihm empfunden, als er durch Leichtsinn bei einem Skiunfall den Tod eines Menschen verschuldete. Doch wie er dieses menschliche Unglück für seine Wiederwahl zu instrumentalisieren versuchte, war schon mehr als unappetitlich! Die politischen Kontrahenten hatten gezögert, die Tragödie zu thematisieren – aber Althaus hatte, je schlechter die Umfragedaten wurden, immer weniger Skrupel. Zunächst das ausführliche Interview mit unterwürfigen BamS-”Journalisten” zum Amtsantritt nach angeblich vollständiger Genesung. Dann die rührselige Geschichte in BILD, er habe sich nach dem Unfall nochmal neu in seine Ehefrau Katharina verliebt. Schließlich die Behauptung Althaus', er bete jeden Tag für die verstorbene Frau; und die offensichtliche Lüge, er pflege ein freundschaftliches Verhältnis zur hinterbliebenen Familie. Endlich wurde es dem Witwer zu bunt, und er ließ über seinen Anwalt verbieten, das Skipistendrama weiter im Landtagswahlkampf auszuschlachten.Mitte August noch schoss Dieter Althaus ein sehenswertes Eigentor, als er gegenüber dem “Handelsblatt” eine Abschaffung des Solidaritätszuschlags ins Gespräch brachte. Hatte ihm etwa noch niemand gesagt, dass er Ministerpräsident eines NEUEN Bundeslandes ist?
24. August 2009 bis 30. August 2009 - Kristie Buble

Und wir dachten, Amerika hätte seine Post-Nine-Eleven-Paranoia mit seinem unsäglichen Präsidenten gleich mit entsorgt! Denkste! Vor ein paar Wochen wurde der berühmte Rassismusforscher und Harvard-Professor Henry Louis Gates wegen vermeintlichen Wohnungseinbruches vor seiner Haustür verhaftet. Kürzlich beschwerte sich der indische Bollywoodstar Shah Rukh Khan über die Schikanen amerikanischer Sicherheitsbehörden auf dem New Yorker Flughafen. Und nun hielt eine junge Polizistin aus New Jersey einen gewissen Bob Dylan für einen gefährlichen Kriminellen!Ein Spießer aus Long Branch hatte die Polizei gerufen, weil sich in der Nachbarschaft ein zotteliger älterer Mann auffällig verhalte. Sein Vergehen: Er lief bei Regen und Dunkelheit die Straße entlang! Natürlich hatte der ergraute Herr, der sich als “Bob Dylan” ausgab, keinen Ausweis dabei – was ihn zusätzlich verdächtig machte. Dylan, ganz Gentlemen, blieb saucool und bot an, seine Identität im nahegelegenen Hotel zu klären. Dort offenbarte sich das ganze Ausmaß der peinlichen “Verwechslung”. Später stammelte Kristie Buble zu ihrer Rechtfertigung: “He didn’t look like Bob Dylan to me at all.”Aber Lady Gaga und Britney Spears kennste - oder, Honey? Kristie, Schätzchen, Du hast eine echte amerikanische Songwriterlegende herablassend wie einen obdachlosen Strauchdieb heruntergeputzt! Man könnte dies als eine harmlose Anekdote belächeln. Sollte man aber nicht! Denn mindestens zwei Fragen bleiben offen: Wieso verhält man sich in Amerika eigentlich permanent “verdächtig”? Und vor allem: Wie ist es möglich, dass eine 24-jährige Amerikanerin nichts mit Namen und Aussehen von Bob Dylan anfangen kann?
17. August 2009 bis 21. August 2009 - Reiner Calmund

Die Redaktion dieses Ressorts hätte ihre sämtlichen Schwiegermütter darauf verwettet, dass Reiner Calmund bereits mit dem Prädikat "Liebling der Woche" geschmückt worden wäre. Aber nein! Anlässe hätte es freilich genug gegeben. Seit seinem Rückzug aus dem Fußballgeschäft hat das TV-Schwergewicht noch an Präsenz zugelegt: Kaum'ne Talkshow, in der sich Calli nicht in einem überbreiten Sessel fläzt. Kaum'ne Castingshow, in der Calli nicht in der Jury Platz genommen hat. Kaum'ne Kochshow, in der sich Calli nicht durch die Pfannen und Töpfe kostet. Mmmhhh! Als Fußballexperte gab er auf Zuspiel von Kai Pflaume (!) Allerweltsweisheiten im Stile von Franz Beckenbauer zum besten. Und zuletzt ließ sich der Ex-XXL-Manager schniefend, japsend und pumpend beim Halbmarathon von einer Stern-TV-Kamera begleiten.Mit seiner Überbreite war der kumpelige Rheinländer immer erfrischend offen umgegangen. Ja, er sei nach einer halben Stunde ohne Nahrungsaufnahme völlig ausgehungert und leide unter nächtlichen Fressattacken. Doch nun kommt es richtig dicke: Seit dieser Woche nimmt "Iron Calli" in der gleichnamigen Dokusoap nach strengem Diätplan ab - unter den unbestechlichen Kameraaugen von VOX! Hoffen wir, dass der Sendung ein ähnliches Schicksal wie Margarethe Schreinemakers Diätshow bei RTL 2 erspart bleibt. Diese wurde wegen "abnehmenden" Zuschauerinteresses schnell wieder eingestellt. Damals purzelten nur die Quoten - nicht aber die Pfunde.
10. August 2009 bis 14. August 2009 - Karlheinz Schreiber

Ein warmer Empfang sieht anders aus. Karlheinz Schreiber wurde am Montag morgen der vorigen Woche in München bei seiner Ankunft aus Toronto in eine BKA-Limousine gedrängt und auf kürzestem Wege in den Augsburger Knast gekarrt, wo er nun in einer acht qm großen Zelle vegetiert. Schreibers Angebot, eine Kaution in unbegrenzter Höhe zu hinterlegen, wurde wegen Flucht- und Verdunklungsgefahr abgelehnt. Im nun wieder heimischen Deutschland erwartet ihn ein Prozess wegen Steuerhinterziehung, Betrugs, Untreue und Bestechung. Wie gesagt: Für seine Heimkunft hätte sich Karlheinz Schreiber sicherlich andere Umstände gewünscht. Wirklich erwartet haben kann er sie aber nicht. Schließlich hat er mit Hilfe spitzfindiger Anwälte ein Jahrzehnt lang seine Auslieferung aus Kanada verhindert. Auch seine Drohungen, wenn er auspacke, könne die CDU einpacken, ziehen kaum noch: Bis auf Schäuble (dem er einst den “Todeskuss” versprach) ist die gesamte in den Spendenskandal involvierte Politikergeneration längst abgetreten. Dennoch dürfte interessant sein zu erfahren, über welche Kanäle (illegale) Rüstungsgeschäfte und (illegale) Parteispenden abgewickelt wurden und wie der Waffenlobbyist und Duzfreund des CSU-Denkmals Franz Josef Strauß die Politik narrte und schmierte. Schreibers Drohungen, die CDU werde bei seiner Auslieferung auch die kommenden Bundestagswahlen verlieren, nimmt indes kaum einer mehr ernst. Auch die (wohl künftige Oppositionspartei) SPD sollte sich von dem anstehenden Prozess keinerlei Wahlkampfhilfe mehr erwarten. Sich aus dem 23%-Ghetto aufzurappeln – dieses Wunder muss sie schon allein vollbringen.
03.August 2009 bis 07.August 2009 - Ulla Schmidt

Es ist natürlich kein Zufall, dass an dieser Stelle am häufigsten Politiker abgewatscht werden. Bietet doch diese Berufsgruppe durch ihre allgegenwärtige Medienpräsenz ungleich mehr Angriffsfläche als, sagen wir, Schornsteinfeger. Hinzu kommt, dass sie ausschließlich aus Steuergeldern finanziert werden und deshalb, was ihre Einnahmen angeht, unter öffentlicher Dauerbeobachtung stehen. Völlig zurecht übrigens!Vermutlich hat sich Ulla Schmidt sogar rechtlich einwandfrei verhalten. Aber ihre Reaktion ("Das steht mir zu!") war doch mehr als ungeschickt! Die Boulevardmedien hatten gerade händeringend nach einem Sommerloch-Thema gesucht. Da ist es: Nach Lotto-Lothar, Florida-Rolf, Viagra-Kalle und Karibik-Kurt nun also Dienstwagen-Ulla. Tagelang musste sich die Gesundheitsministerin als typische Vertreterin einer raffgierigen, Steuergelder verschlingenden Politikerkaste vorführen lassen. Erst das Comeback des 40-jährigen Vorruheständlers Michael Schumacher verdrängte sie von den Titelseiten.Was bei solchen Affären (oder Kampagnen) allzu leicht aus dem Blick gerät, sind die Folgen. Was denn, wenn Ulla Schmidt ab Herbst nicht mehr dem Gesundheitsministerium vorstehen darf? Dann kostet sie den Steuerzahler infolge üppiger Pensionsansprüche richtig Geld! Und statt einer robusten Frau, die sich gern mit Ärzte- und Pharmalobbyisten anlegt, kommt irgendso'ne konfliktscheue CDU- oder FDP-Pfeife ins Amt, die sich erst wieder monatelang in eine hochkomplexe Materie einarbeiten muss. Und was noch niemand bedacht hat: Müssen wir dann etwa auf die köstlichen Ulla-Schmidt-Parodien des Kabarettisten Mathias Richling verzichten? Nee, also der Preis wäre zu hoch!
27. Juli 2009 bis 02. August 2009 - Peter Harry Carstensen

Der damalige Grüne Außenminister Joschka Fischer hatte im Landtagswahlkampf 2005 in Schleswig-Holstein einen Running Gag auf Lager: Er hat stets die beiden Vornamen des CDU-Spitzenkandidaten vertauscht. Sehr witzig! Zu solchen albernen Mitteln wollen wir in diesem ernsthaften Text natürlich nicht greifen. Auf persönlichen Wunsch von Harry Peter Carstensen wurden die Wahlen in seinem Bundesland um sieben Monate vorgezogen. Natürlich spielt es überhaupt keine Rolle, dass sich die CDU bundesweit im Umfragehoch befindet. Es ist ebenso Zufall, dass die Ergebnisse eines Untersuchungsausschusses zur HSH-Bankenpleite erst nach dem Wahltermin veröffentlicht werden können. Glückliche Fügung auch, dass die Landtagswahlen parallel zur Bundestagswahl stattfinden können, so dass die eher lausige Regierungsbilanz von Ministerpräsident Carsten Peter Harrysen von der populären Kanzlerin überstrahlt werden könnte. Carsten Harry Petersen hatte in den vier Amtsjahren stets den leutseligen Li-La-Laune-Bar gespielt, den gutmütigen Dicken, den graubärtigen Barden. Nun hat das sorgsam gepflegte Image vom grundehrlichen volksnahen Landesvater ein paar Schrammen bekommen. Harry Carsten Petersen hat den Landtag belogen! Er hatte beim Koalitionspartner doch keine Zusage über die skandalösen Bonuszahlungen in Millionenhöhe an den (grandios gescheiterten) HSH-Vorstandsvorsitzenden Nonnenmacher eingeholt. Dabei ist das Land nach Auskunft des Bundes der Steuerzahler “faktisch pleite”. Eigentlich erstaunlich, dass bei der Hinterlassenschaft der Großen Koalition in Kiel überhaupt noch jemand die Regierungsverantwortung übernehmen will. Führt doch mal einen Wahlkampf darum, wer in die Opposition darf!
20. Juli 2009 bis 26. Juli 2009 - Kader Loth

Man kommt ja völlig durcheinander mit Deutschlands C-Promis. Wer war nochmal Kader Loth? Hat sie bei einer Castingshow einen Zickenkrieg angezettelt? Oder hat sie in der RTL-Dschungelshow vor ganz Fernsehdeutschland einen Kakerlakenbrei ausgelöffelt? Nein! Kader Loth war, so ergaben unsere Recherchen, Insasse im Brother-Container auf RTL 2 und sogenanntes Boxenluder bei Formel-1-Rennen. Da diese „Leistung“ natürlich nicht zu lebenslanger Berühmtheit reicht, hat sie sich in den vergangenen Jahren recht geschickt im Gespräch gehalten: Sie legte die Kleider für ein sogenanntes Männermagazin ab und lief in übelsten Trash- und Reality-TV-Formaten im Privatfernsehen durch's Bild. Nicht die ganz große Karriere, gewiss – aber immer noch besser, als in irgendeiner dreckigen, lärmenden Fabrik eintönige und anstrengende Tätigkeiten verrichten zu müssen. Nun hat es Kader Loth wieder in die Medien geschafft. Sie ist – kein Witz! - zur Frauenbeauftragten der Freien Union ernannt worden. Abgesehen davon, dass sich jede halbwegs selbstbewusste Frau eine solche Interessenvertreterin verbitten dürfte – für welche Frauenrechte soll sich Kader Loth wohl einsetzen? Für staatliche Zuschüsse in der plastischen Chirurgie? Aber auch ihre Parteichefin Gabriele Pauli muss aufpassen, nicht bald selbst in dieser Kolumne thematisiert zu werden. Der anfängliche Respekt, den wir der CSU-Rebellin und Stoiber-Kritikerin entgegenbrachten, ist fast aufgebraucht.
13. Juli 2009 bis 19. Juli 2009 - Bernie Ecclestone

Personen des öffentlichen Interesses, die sich zu politischen oder historischen Themen äußern, werden hier immer gern genommen. Erst vor wenigen Monaten, als olle Jopi den schlimmen Diktator Adolf Hitler einen "guten Kerl" nannte, ließen wir - siehe unten - noch Milde walten. Von einem über ein Viertel-Jahrhundert jüngeren Lenker des globalen Formel-1-Zirkus darf man aber etwas mehr historische Urteilsfähigkeit erwarten als von einem supergreisen Volksschauspieler. Bernie Ecclestone also hat den Jahrhundertverbrecher in der Londoner "Times" als einen "fähigen Mann" bezeichnet. Natürlich kann man diese Worte nicht wieder einfangen. Sie sind in der Welt. Und dass nun alle verbal auf Ecclestone einprügeln - dies hat er sich redlich verdient! Der internationale Aufschrei ist groß - lediglich Ecclestones Geschäftspartner ziehen den Schwanz ein. Der "Times"-Redakteur weiß, was er gehört (und wohl auch aufgezeichnet) hat, und so bestreitet Ecclestone die Formulierungen auch gar nicht. Wie noch Jeder, der über unüberlegte oder missratene Äußerungen zu stolpern droht, stammelt er aber, man habe ihn missverstanden und seine Worte aus dem Zusammenhang gerissen. Ja, ja. Nur, Bernie, Du hast Dich so eindeutig geäußert, dass kein Interpretationsspielraum besteht. Deine Abneigung gegenüber Demokratien ("haben nichts Gutes gebracht") und Deine Vorliebe für starke Führer sprechen aus jeder Silbe! Und, Bernie, Du sagts Dein Lieblingsdiktator habe die Fähigkeit gehabt, "Dinge zu erledigen". Was bitteschön ist daran nicht eindeutig? Bernie, wir haben da 'ne Idee, wie Du weiter allmächtiger Formel-1-Milliardär bleiben kannst: Betätige Dich einfach nicht als Hobby-Historiker!
06. Juli 2009 bis 12. Juli 2009 - Berlino

Kennt Ihr Berlino? Nee? Dann seid Ihr in bester Gesellschaft. Und sogar in der absoluten Mehrheit. Selbst google stellt sich dumm! Im gefühlten Tagesrhythmus müssen wir von Umfragen lesen, die immer wieder zum gleichen Ergebnis kommen: Kein Schwein kennt den Bären! Gerade einmal 18 % der Deutschen wüssten überhaupt, dass die Leichtathletik-WM im August in Berlin stattfindet. WM-Vermarkter Michael Mronz (der Lover von Westerwelle) spricht von einem “Sensationswert”, weil es vor der Handball-WM nur 8 % gewesen seien. Und die sei ja wohl ein großer Erfolg geworden... In der Tat! Nur war dies ausschließlich Heiner Brands Jungs zu verdanken. Doch es kommt noch schlimmer: Während 64 % der Berliner Bürger (Ostteil: 68 %) sagen, sie hätten von einer bevorstehenden Leichtathletik-WM in der Stadt gehört, kennen nur 9 % (in Zahlen: neun) das niedliche Maskottchen Berlino. Wir sind entsetzt! Berlino, die arme Sau, soll ab jetzt (Mronz: “zeitnah”) in einer Merchandising-Offensive als Stofftier, Schlüsselanhänger und Staubfänger unters sportbegeisterte Volk gebracht werden. Vielleicht würde es ja auch helfen, liebe Organisatoren, den süßen Knuddelbär ein paar Tage über den Alexanderplatz hüpfen und ahnungslose Passanten umarmen zu lassen. Oder Berlino könnte auf privaten Radiostationen ein paar Interviews geben und T-Shirts verlosen. Berlino könnte aber auch nach einem Fallschirmsprung vor dem Brandenburger Tor landen. Ihr seht also, an originellen Ideen, Berlinos Image aufzupolieren, fehlt es nicht. Schon werden von Miesmachern Parallelen zur völlig verunglückten 2000-er Olympiabewerbung Berlins gezogen. Berliner, lasst es nicht so weit kommen. Schließt endlich das putzige Bärchen Berlino in Euer Herz!
29. Juni 2009 bis 5. Juli 2009 - die Vuvuzela

Bisher hatte es vor allem eine Ursache, wenn wir bei Fußballübertragungen im Fernsehen den Ton abdrehten: die unerträgliche Spielbegleitung durch den Kommentator. Ob das marktschreierische „Toooor“-Gebrüll von Bela Rethy (ZDF) oder die verzweifelten Versuche von Jörg Dahlmann oder Thomas Hermann (DSF), einen trostlosen Provinzkick aus der Zweiten Liga zum attraktiven und brisanten Fußball-Leckerbissen hochzuquatschen – es ist oft kaum auszuhalten! In den vergangenen Wochen hat nicht nur das wenig erbauliche Ballgeschiebe beim Confederations Cup dazu geführt, dass wir die Spiele beim Feierabend-Bier nur aus dem Augenwinkel verfolgt haben. Es war vor allem der unerträgliche Lärm in den südafrikanischen Stadien, der uns die Lust auf Fußball in der Sommerpause vergällte. Sportlich ist der Konföderationen-Pokal ohnehin von eher fragwürdiger Signifikanz – aber wir waren schon gespannt, wie die Südafrikaner diese WM-Generalprobe organisatorisch und logistisch meistern würden. Doch unsere anfängliche Neugier auf die Zuschauerresonanz und die Stimmung in den Stadien war schon im Eröffnungsspiel einem Genervtsein vom Dauergetröte der Vuvuzelas gewichen. Mitreißende Fußballstimmung klingt anders! Da sich nicht nur mitteleuropäische Fußballglotzer, sondern auch teilnehmende Spieler und FIFA-Funktionäre über den ohrenbetäubenden Krach beschwerten, wird nun ernsthaft ein Verbot der Vuvuzela bei der bevorstehenden WM diskutiert. Gut so! Auch wenn der Confed Cup in Sachen Hotellerie, Transportwesen und Besucherzahlen dem FIFA-Boss weitere Sorgenfalten auf die ohnehin zerfurchte Stirn getrieben haben dürfte – die Vuvuzelas gehören ganz oben auf die Tagesordnung. Blatter-Sepp, zeig' den Elefantentröten die Rote Karte!
22. Juni 2009 bis 28. Juni 2009 - Reiner Protsch von Zieten

Es ist immer eine schlechtes Zeichen, wenn über Akademiker nicht auf den Wissenschafts-, sondern auf den Boulevardseiten der Tageszeitungen berichtet wird. Statt von bahnbrechenden Forschungsergebnissen ist dann zumeist von ganz trivialen Dingen die Rede: sexuelle Belästigung von Studentinnen, Handel mit Doktortiteln oder Fälschung von wissenschaftlichen Resultaten. So auch beim Frankfurter Anthropologen Reiner Protsch von Zieten. Wie undankbar: Ganz Deutschland kennt ihn nun nicht wegen seiner akademischen Leistungen, sondern wegen Betrugs. Zieten, der sich in der Vorwoche vor dem Frankfurter Landgericht verantworten mussten, wurde vorgeworfen, Knochenfunde bewusst falsch datiert und mit artengeschützten Exemplaren gedealt zu haben. Seltsame Straftatbestände! Dagegen klingen die weiteren Anschuldigungen gegenüber Protsch (Urkundenfälschung, Untreue, Unterschlagung) schon vertrauter. Auf die Schliche war man Reiner von Zieten gekommen, als er einem amerikanischen Kollegen eine Kollektion von 278 Schimpansenschädeln verhökern wollte: für 70.000 Dollar! Reiner Protsch fälschte Quittungen, entfernte Inventarnummern, klaute in Bibliotheken und manipulierte Expertisen. Das gesamte Sündenregister von Zietens würde den Rahmen dieser Kolumne sprengen. Kein Wunder, dass seine Ex-Kollegen die Straßenseite wechseln, wenn sie ihn sehen und ihm sein ehemaliges Institut Hausverbot erteilte. Am Freitag zog die Staatsanwaltschaft unter “einen der größten Wissenschaftsskandale der Nachkriegszeit” (Frankfurter Rundschau) einen Schlussstrich. Der ehemalige Anthropologie-Professor Rainer Protsch von Zieten kam mit einer Freiheitsstrafe von achtzehn Monaten auf Bewährung recht milde davon. Von Protsch hatte sich in allen Anklagepunkten für “schuldig” bekannt.
15. Juni 2009 bis 21. Juni 2009 - Boris Becker

Wochen-, ja monatelang hat es kaum ein gesellschaftliches Ereignis von Belang gegeben. "Neue Revue" und "Goldenes Blatt" - wie kriegt Ihr bloß jede Woche Euer Heft voll? Nun endlich können wir aber wieder nach Herzenslust tratschen! Doch zunächst müssen unseren Abscheu darüber zum Ausdruck bringen, wie der ehemalige Schalke-Manager Rudi Assauer in aller Öffentlichkeit seine Ex und heutige Tatort-Kommissarin Simone Thomalla vermöbelte! Völlig überzogen halten wir auch die Entscheidung, der Miss California Carrie Prejean ihren Titel abzuerkennen. Jahrelang hatte man den Misses dieser Welt eingetrichtert, nicht nur als dekorativer Kleiderständer zu fungieren, sondern auch mal was Substanzielles, ein politisches Statement etwa, zu äußern. Nun isses auch wieder nicht recht. Dabei war Miss California nur beherzt mit einem Bekenntnis zur "traditionellen" Ehe vorgeprescht! Auch auf dem Partnerschaftsmarkt, liebe Klatschtanten, tut sich endlich wieder Berichtenswertes. Verena Kerth (Oliver Kahns Ex) ist mit Martin Krug (Veronica Ferres' Ex) liiert! Und Oliver Pocher (Harald Schmidts Ex) und Sandy Meyer-Wölden (Boris Beckers Ex) gestehen: Ja, wir sind ein Paar! Tränen der Rührung trieb uns dann am vergangenen Wochenende die Hochzeit des ehemeligen Tennis-Idols Boris Becker in die Augen. Herzergreifend, ihn nach so vielen gescheiterten Beziehungen, oberflächlichen Affären (und missratenen geschäftlichen Aktivitäten) endlich, das Glück voll auskostend, sehen zu können. Und schön, Boris, dass wir, obwohl Du doch immer wieder völlig zurecht die Verletzung Deiner Privatsphäre beklagst, via RTL live dabei sein durften. Danke, Boris!
08. Juni 2009 bis 14. Juni 2009 - DJ Bobo

Wenn uns jemand nach der beschissensten Musik aller Zeiten fragte, würden wir ohne zu zögern antworten: Der unsägliche Techno-Schlager von Michael Wendler hat uns wohl schon immer die größten Schmerzen bereitet. Aber auch DJ Bobos entsetzlicher Discopop hätte beste Chancen auf eine vordere Platzierung. Was die sogenannte Redaktion von “Germany's next Showstars” geritten hat, ausgerechnet DJ Bobo in eine sogenannte Jury zu berufen, wird sich vielleicht nie ermitteln lassen. (Abgesehen davon sind auch seine “Jury”-Kollegen Verena Pooth und Elton von eher fragwürdiger Kompetenz.) Der bedauernswerte Autor dieser Zeilen konnte am Donnerstagabend nur schwer ertragen, was er da bei Pro Sieben sehen musste. Das Problem war gar nicht unbedingt die Qualität der Auftritte, denn neben jeder Menge Trash waren durchaus auch Talente ausfindig zu machen. Das Problem der Sendung aber war sehr wohl die Verlogenheit der sogenannten Jury, die ernsthaftes Interesse an den jeweiligen Darbietungen heuchelte und nicht wenigen Kandidaten echte Chancen auf eine große Showkarriere vorgaukelte. Wirklich geschmacklos! Am Ende dieses Castings, so ließ Pro Sieben vorab verbreiten, stehe eine Beteiligung an DJ Bobos künftiger Europatournee in Aussicht. Aha! Das ist also die Bestrafung für die Verlierer. Aber was bekommen die Sieger von “Germany's next Showstars”?
01.06.09 bis 07.06.09 - Karl-Heinz Kurras

Berlin, den 26. April 1955
Verpflichtung! Aus der Erkenntnis heraus, daß ich als Angehöriger der Stummpolizei* keiner guten Sache diene, habe ich mich entschlossen, meine Arbeitskraft dem Friedenslager zur Verfügung zu stellen. Trotzdem ich politisch unbeschult bin, bin ich der Meinung, daß der Weg des Ostens die richtige Politik verkörpert. Um bei dieser Entwicklung mitzuhelfen, bin ich bereit den mir bekannten Vertreter für Staatssicherheit Vorkommnisse aus der Stummpolizei wahrheitsgemäß zu berichten. Ich erkläre mich bereit, gegenüber jedermann hinsichtlich meiner Tätigkeit größtes Stillschweigen zu wahren. Ich stehe mit keiner anderen Organisation bzw Personen betr. Dieser und ähnlicher Arbeit in Verbindung. Sollte ich angesprochen werden, so gebe sofort eine entsprechende Mitteilung. Ich werde meine Berichte mit dem Decknamen „Otto Bohl“ unterzeichnen.
Karl-Heinz Kurras
*Als Stumm-Polizei wurde in der DDR die Westberliner Polizei bezeichnet, die der Jurist und Sozialdemokrat Johannes Stumm (1897 bis 1978) ab 1948 aufgebaut hatte.
25.05.09 bis 31.05.09 - Michael Martin

Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie erwachsene Menschen mit sicherer Anstellung und besten Perspektiven ihre ganze berufliche Existenz aufs Spiel setzen. Ist es Unachtsamkeit, Naivität oder Gier? Jedenfalls ist seit ein paar Tagen bekannt, was britische Parlamentarier dem Steuerzahler als “Spesen” aufbürden. Das Spektrum reicht von Pfennigartikeln bis zu sündhaft teuren Luxusgegenständen. Die Mitglieder des britischen Unterhauses haben dabei nicht etwa nur den gesetzlichen Spielraum großzügig ausgelegt, sondern, ja, betrogen. Ein Skandal, der sich durch alle Parteien zieht, weshalb sich die Schadenfreude von Oppositionsführer Cameron als verfrüht erwies. Neun Abgeordnetenopfer hat der Spesenskandal bereits gefordert, zwei weitere im Oberhaus, dem selbsternannten “moralischen Gewissen der parlamentarischen Monarchie”. Zum ersten Mal seit 350 Jahren wurden zwei Lords wegen Korruption suspendiert. Das prominenteste Opfer aber ist mit Abstand Parlamentssprecher Michael Martin – erstmals seit 1695, noch so'n Rekord, war er mit seinem Rücktritt einem drohenden Misstrauensantrag zuvorgekommen! Von Bemühungen, ihn von diesem Schritt abzubringen (“Ach bleib doch, Michael”), haben wir nichts vernommen. Wahrscheinlich sind alle Kollegen froh, ein weiteres Bauernopfer gefunden zu haben und (bisher) selbst ungeschoren davon gekommen zu sein. Was viele britische Bürger, die in ihrer großen Mehrheit sofortige Neuwahlen fordern, jedoch noch mehr als die Selbstbedienungsmentalität verbittert, ist die fehlende Einsicht und die Unbelehrbarkeit ihrer “Volksvertreter”. Könnt Ihr den Rachen einfach nicht vollkriegen, liebe Deputies?
18.05.09 bis 24.05.09 - Juri Luzenko

Es sind diese kleinen hübschen Anekdoten, die den oft drögen Politikbetrieb wenigsten für kurze Momente etwas auflockern: Besoffene Politiker blamieren sich in der Öffentlichkeit bis auf die Knochen. Als Klassiker dieses Genres gilt heute der lallende Auftritt des FDP-Bundestagsabgeordneten Detlef Kleinert, der sich am Rednerpult, offenbar stark angetrunken, über die "nachhaltig eingeschränkte Aufnahmefähigkeit eines Teils der Mitglieder dieses Hauses" beschwerte. Den Fraktionskollegen und dem Bundestagspräsidium war dies unübersehbar peinlich, während sich die anderen Abgeordneten Schenkel klopfend amüsierten. Kultstatus haben längst auch Boris Jelzins öffentliche Auftritte im Wodkarausch: als Pokneifer, als Tänzer, als schwankender Präsident...köstlich! Und erst jüngst lallte der japanische Finanzminister Shoichi Nakagawa auf einer Pressekonferenz beim G-7-Treffen in Rom so stark, dass selbst japanische Journalisten kein Wort verstehen konnten. Selten so gelacht! Seit dieser Woche wissen wir auch, wer Juri Luzenko ist: mittlerweile ehemaliger ukrainischer Innenminister. Auf dem Flughafen in Frankfurt am Main wurde ihm wegen starker Trunkenheit der Weiterflug nach Seoul verweigert. Der nüchtern so stocksteife Luzenko habe wüste Verwünschungen ausgestoßen, mit seinem Diplomatenpass herumgefuchtelt und bei einem Handgemenge vier Beamte verletzt! Während Augenzeugen Beleidigungen wie "Nazischweine" gehört haben wollen, bei seinem Sohn drei Promille gemessen worden seien und bei den Verletzten angeblich Hautabschürfungen und Prellungen diagnostiziert wurden, sieht sich Luzenko als Opfer einer "Schmutzkampagne" und spricht in seinem Rücktrittsschreiben von "verlogenen Publikationen deutscher Boulevardmedien". Was'n Spaß!
11.05.2009 - 17.05.09 - David Hasselhoff

Gibt es noch einen Menschen da draußen, der zugibt, eine CD oder ein Video von David Hasselhoff zu besitzen? Wohl nicht, oder? Völlig zurecht ist jedem, der sich mal einen der erwähnten Gegenstände zugelegt hat, dies heute unendlich peinlich. Und kein noch so primitiver Fernsehsender gibt sich heute mehr die Blöße, "Baywatch" oder "Knight Rider" auszustrahlen - der Ansehensverlust wäre einfach zu groß. Es müssen aber mal etliche Millionen dieser (heute auf wundersame Weise verschwundenen) Dinge über die Ladentheken gegangen sein. Und es muss auch einmal eine Zeit gegeben haben, in der die erwähnten Serien gezeigt und gesehen worden sind. David Hasselhoff konnte von dieser, sagen wir, Karriere jedenfalls immer ganz gut leben. Doch schon seit Jahren macht er nicht mehr als "Schauspieler" oder "Sänger" von sich reden - sondern als Säufer. Liegt es daran, dass er seine frühere Laufbahn heute ebenso abstoßend findet wie seine ehemaligen Fans, von denen sich keiner mehr zu ihm bekennt? Jedenfalls füllt Hasselhoff die Skandalspalten der Zeitungen mit immer neuen Saufeskapaden. Erst jüngst waren sogar lebensgefährliche 3,9 Promille gemessen worden! Gut unterrichtete Kreise berichten von Alkoholvergiftung und Klinikaufenthalt - doch Hasselhoff beschwichtigt: Er habe sich vor dem 80. Geburtstag seines Vaters nur ein bisschen in Stimmung bringen wollen. Anlass, an seiner Nüchternheit und seinem Realitätssinn zu zweifeln, hatte es freilich schon vor knapp zwei Jahrzehnten gegeben. Damals hatte er - Gipfel seines Größenwahns und seiner Selbstüberschätzung - eine zeithistorische Relevanz für sich eingefordert: Die Ostdeutschen hätten auch deshalb die Berliner Mauer eingerissen, weil sie seinen Song "Looking for freedom" gehört hätten. Schon klar, David!
04.Mai 2009 - 10.Mai 2009 - Felix Magath

Ja, zugegeben, wir haben uns mal wieder die DSF-Dauerwerbesendung "Bundesliga aktuell" angesehen. Schließlich wurden Zuschauer der Eishockey-WM neugierig gemacht, Felix Magath äußere sich nun endlich zu der Meldung, er werde ab nächster Saison Manager und Coach bei Schalke 04. Überraschend wäre das schon, sollte sich Magath nach einer so erfolgreichen Saison, deren Krönung (Meisterschaft?) noch aussteht, aus Wolfsburg wieder verabschieden. Doch was macht Magath? Auf einer Pressekonferenz nestelt er minutenlang an seinem Teebeutel (!) herum (wir dachten, er sei Teekenner) und sagt schließlich - nichts! Stattdessen beschuldigt er einen Stuttgarter Journalisten, die Meldung jetzt lanciert zu haben. In ungelenk formulierten und umständlich vorgetragenen Sätzen konstruierte Magath eine absurde Verschwörungstheorie, deren Inhalt wir nicht richtig verstanden haben. Er könnte gemeint haben, dass auf diese Art und Weise Unruhe in den VfL Wolfsburg hineingetragen werden sollte und der VfB Stuttgart dadurch doch noch Meister werden könnte. Ja, und was ist jetzt dran an dem Gerücht? Gehste oder bleibste, Magath? Dazu kein Wort! Vereinsführung, Spieler und Fans nehmen ihm zurecht übel, dass er offensichtlich bereits mit Schalke verhandelte, als der ehemalige Graue-Maus-Club Wolfsburg gerade um den größten Triumph seiner Vereinsgeschichte kämpfte. Dass ein in Aussicht stehendes Millionengehalt mal wieder sämtliche Loyalitäten außer Kraft setzt - geschenkt! Aber dass Magath nicht zu seiner offenbar bereits gefallenen Entscheidung steht und sich statt dessen zu abstrusen Verschwörungstheorien versteigt, ist schon ziemlich armselig! Ach, wenn er doch bloß geschwiegen hätte!
27. April 2009 - 03. Mai 2009 - David Oddsson

Mit "Niederlage" ist noch viel zu milde umschrieben, was die konservative Partei Islands am Samstag bei den vorgezogenen Parlamentswahlen ereilte. Es war ein Erdbeben! In den vergangenen Jahrzehnten war sie in Island selbstverständliche Regierungspartei gewesen. Das ist nun vorbei. Die Schuld dafür trägt sie selbst: Und niemand verkörpert diese gescheiterte, an die Reaganomics und den Thatcherismus erinnernde, hemmungslose Liberalisierungspolitik so stark wie David Oddsson. Er war neun Jahre Bürgermeister von Reykjavik, für dreizehn Jahre Ministerpräsident und schließlich noch drei Jahre Notenbankchef. Er privatisierte Banken und Staatsbetriebe, dass den Isländern Hören und Sehen verging. Er deregulierte auf Teufel komm raus, senkte die Unternehmenssteuern auf ein Drittel und propagierte den Rückzug des Staates aus allen gesellschaftlichen Bereichen. Doch die Zeiten, da das "Wall Street Journal" Island zum "liberalistischen Wunderland" hochjazzte, sind vorbei. Heute erscheint Oddssons radikale Marktideologie in einem anderen Licht: Banken gingen pleite, Immobilienpreise und Landeswährung sackten dramatisch ab, Arbeitslosigkeit und Auswanderungen stiegen rapide, Island bewegte sich am Rande des Staatsbankrotts. Die einstige Insel der Seligen wurde zum Therapiefall. Nun können Islands Sozialdemokraten und Linksgrüne zeigen, was sie aus der Krise gelernt haben. Der Wähler hat die Konservativen um David Oddsson für eine falsche Politik in die Opposition geschickt. Damit kommen sie viel zu glimpflich davon!
20. April 2009 - 26. April 2009 - Tom Kaulitz

Als der ewige Kanzler Helmut Kohl sich seinerzeit einen eier- und tomatenwerfenden Demonstranten schnappen und ihn vermöbeln wollte (und von seinen Leibwächtern nur mit Mühe daran gehindert werden konnte), kommentierte dies der große Kabarettist Richard Rogler mit den Worten: "Helmut, das heißt dem Volk auf's Maul schauen - und nicht auf's Maul hauen!" Daran mussten wir wieder denken, als wir lasen, dass Tokio-Hotel-Insasse Tom Kaulitz einem weiblichen Fan einen Faustschlag verpasst haben soll. Die (für einen Tokio-Hotel-Fan ziemlich alte) 21-jährige Französin soll den angebeteten Magdeburger Gitarristen an einer Hamburger Tankstelle (BILD: "am Mittwoch um 23:12 Uhr") nach einem Autogrammfoto gefragt haben. Und wie reagierte Tom? Er schnippte der Französin eine brennende Kippe entgegen, streckte sie mit einer Faust zu Boden - und raste mit seinem Audi von dannen. Der Teenie-Rock-Star muss nun mit einer Anzeige wegen Körperverletzung rechnen. Um den (Image-)Schaden zu begrenzen, gehen die vier Tokio-Hotel-Bewohner nun selbst in die Offensive: Sie und ihre Familien würden seit Wochen von vermummten, militanten Stalkerinnen verfolgt und bedroht! Ihre Wohnungen würden belagert und ihre Autos mit Eiern beworfen. Und wir dachten immer, Tokio-Hotel-Fans sind dreizehn, tragen Zahnspange und fordern ständig: "Bill (oder Tom), ich will ein Kind von Dir!"
14. April 2009 - 19. April 2009 - Lidl

Eigentlich kommen unsere Konsumgewohnheiten der Verkaufsphilosophie des Discounters Lidl doch sehr entgegen. Schnell die benötigten waren ausgesucht, bezahlt - und wieder raus! Kein unsägliches Werbe-TV (wie bei Schlecker), kein Einkaufsradio (wie bei Rewe) - Preis und Tempo sprechen einfach für die Discounter-Märkte. Nur hat sich Lidl (im Unterschied zu ALDI, Penny oder PLUS) in den letzten Monaten einige Affären geleistet: Da wurden Mitarbeiter schikaniert, ausspioniert oder unterbezahlt (wofür dem Discounter bereits eine Strafe von 1,5 Mio. Euro aufgebrummt worden war). Die hohe Personalfluktuation in unserem Lidl-Markt um die Ecke spricht auch nicht gerade für ein angenehmes Betriebsklima! Nun hat der Discounter aber einen neuen Skandal am Hals: In einer Mülltonne in Bochum wurden dicke Aktenorder gefunden, aus denen hervorgeht, dass Lidl die Krankheitsbilder und -gründe ihrer Angestellten regelrecht archiviert hat. Dass sie damit ihren Kollegen eine bessere medizinische Behandlung ermöglichen wollten, darf als unwahrscheinlich gelten. Lidl-Deutschland-Chef Mros (nicht der Lover von Westerwelle!) warf umgehend das Handtuch - doch der Imageschaden ist gewaltig! Jedoch ist gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise nicht zu vermuten, dass die Kunden den Discounter dauerhaft mit Kaufzurückhaltung strafen werden. Der Autor dieser Kolumne muss aber jetzt zum Schluss kommen: Gleich schließen die Geschäfte, und bei Lidl sind diese Woche Erdbeeren unschlagbar billig!
06. April 2009 - 13. April 2009 - Rick Wagoner

Es war die Woche der Rücktritte: Den Anfang machte der ungarische Regierungschef, dicht gefolgt vom tschechischen Premier, dem Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein, dem deutschen Bahnchef, dem iranischen Fußball-Nationaltrainer und schließlich dem Coach Mexikos. Dabei ist fast untergegangen, dass der THW-Kiel-Manager Uwe Schwenker indirekt zugab, in einen großen Handball-Bestechungsskandal verwickelt zu sein: Er habe, so ein Kollege, im Suff auf Mallorca ausgeplaudert, dass man die Handball-Champions-League nur durch Schiedsrichterbestechung gewinnen könne. (Was ihm den Spitznamen Kognak-Schwenker eintrug.) Schwenker lässte nun drei seiner vier Ämter ruhen, bleibt aber (vorerst) THW-Manager. Bei dieser Flut an Rücktritten hat uns jedoch einer am meisten überrascht. Nicht weil er ungerechtfertigt gewesen wäre, sondern weil wir gar nicht glauben konnten, dass der inzwischen Zurückgetretene sich sooo lange im Amt halten konnte: General-Motors-Boss Rick Wagoner. Und das trotz dieser Performace: Seit 2005 fuhr GM jährlich zweistellige Milliardenverluste ein - und Rick Wagoner reiste zu einer Anhörung vor dem amerikanischen Kongress im Herbst 2008 (von Detroit nach Washington!) mit einem firmeneigenen Privatjet an. Noch Fragen?
30. März 2009 - 05. April 2009 - Verona Pooth

Verona Pooth ist eine der deutschen Prominenten, deren Bekanntheit sich niemand so recht erklären kann. Wer ist sie? Was macht sie? Was kann sie? Mit welcher Berufsbezeichnung wird sie bei ihren zahlreichen Fernsehauftritten eigentlich vorgestellt? Miss Germany 1993? Bohlens Ex? Ehemalige "Moderatorin" des RTL2-"Erotik"-Magazins "Peep"? Obwohl niemand das Geheimnis ihrer Prominenz entschlüsseln konnte, kennt sie jeder. Wenn man sich die zahlreichen Unternehmungen von Verona Pooth formerly known as Feldbusch so ansieht, nimmt das Bild von einer cleveren Geschäftsfrau Konturen an. Ob als Nacktmodell, Kosmetikerin, Werbefigur oder Heulsuse bei Kerner - sie kannte stets ihren Marktwert. Nun droht Verona Pooth in den Strudel der kriminellen Affären ihres Ehemannes Franjo zu geraten. Der war vor drei Wochen wegen Insolvenzverschleppung und Bestechung zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden. Ein Ex-Mitarbeiter plauderte nun aus, dass die "Firmen" der Eheleute in der Tat "räumlich und personell verflochten" gewesen seien. Vor ein paar Tagen durchsuchten Steuerfahnder die Düsseldorfer Büroräume Veronas und stellten die luxuröse Pooth-Villa auf den Kopf. Wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung droht Verona Pooth nun die wichtigste Einnahmequelle wegzubrechen. Schon fürchtet die Brauerei Paulaner einen Imageverlust und hält einen bereits produzierten Werbespot unter Verschluss.
23. März 2009 - 29. März 2009 - Lars Windhorst

Er war Helmut Kohls Vorzeige-Unternehmer, als in den frühen 90-er Jahren die Arbeitslosigkeit Monat für Monat neue Rekordhöhen erklomm. Lars Windhorst, so der Dauerkanzler damals, sei Vorbild für die Jugend, während sich Millionen Deutsche im "kollektiven Freizeitpark" gemütlich eingerichtet hätten. Helmut Kohl ließ sich gern mit Lars Windhorst fotografieren, bot ihm das "Du" an, führte ihn an die Junge Union heran und nahm ihn sogar als Mitglied einer großen Wirtschaftsdelegation auf Staatsreise mit nach Asien. 1995 meldete die Windhorst-Gruppe einen Umsatz von 180 Millionen DM. Der ewige Regierungschef Kohl war beeindruckt vom wirtschaftlichen Erfolg seines ökonomischen Wunderkindes. Windhorst hatte schon als 16-Jähriger seine erste Firma für Computerzubehör gegründet und mit 18 seine erste Million angehäuft. Er packte an, während Millionen sogenannter Arbeitssuchender sich in der sozialen Hängematte räkelten! Doch vom unternehmerischen Wunderknaben ist - abgesehen vom pickligen Gesicht - nicht viel übrig geblieben. Die Staatsanwaltschaft wirft Lars Windhorst, heute 32, Betrug, Untreue und Insolvenzverschleppung vor. Zudem soll sich der einstige ökonomische Superstar durch falsche Angaben Privatdarlehen in Höhe von 10 Millionen Euro erschlichen haben. Unschöne Vorwürfe, die sich bestimmt recht bald als völlig haltlos erweisen werden!
16. März 2009 - 22.März 2009 - Andreas Mülller

Für ehemalige Fußballprofis hat der Arbeitsmarkt kaum Verwendung. Muss ja auch nicht sein. Mittlerweile sind die Spielergehälter so hoch, dass die meisten Kicker, nachdem sie ihre "Karriere" in der 2. oder 3. Liga haben ausklingen lassen, direkt in den Vorruhestand übergehen können. Nicht wenige Ex-Profis allerdings bemerken recht schnell, dass die ausschließliche Betätigung mit der (nun Ex-)Spielerfrau sie doch nicht ganztägig ausfüllt. Auf der Suche nach Beschäftigung werden sie sogenannte "Fußball-Experten" (Oliver Kahn, Mehmet Scholl), DSF-Moderatoren (Thomas Helmer) oder - das ist naheliegend - Fußballtrainer. Die Wenigsten haben "es" in den letzten Jahren geschafft, die Meisten krebsen als Übungsleiter eines Provinzvereins in der 4. oder 5. Liga rum. Wiederum andere wechseln aller drei Monate den Arbeitgeber und beklagen sich, dass niemand ihr wahres Potenzial erkenne (Mario Basler, Lothar Matthäus). Eine ganz eigene Spezies ist die der Manager oder Sportdirektoren. Nicht wenige scheitern schon nach wenigen Monaten (Jürgen Kohler, Thomas Strunz), andere reüssieren allmählich (Ulli Hoeneß, Rudi Völler) - oder haben ganz unverhofft plötzlich sportlichen Erfolg (Dieter Hoeneß). Dass der Ex-Schalke-Profi und vorübergehende Manager mit dem Allerweltsnamen Andreas Müller nun beim (nicht zu Unrecht als "Karnevalsclub" verspotteten) FC Schalke 04 rausgeworfen wurde, kann allenfalls als mildernder Umstand durchgehen. Vor der Berufung zu unserem "Liebling der Woche" kann es ihn indes nicht bewahren.
09.März 2009 - 15.März 2009 - Michael Jackson

Es war ein gespenstischer Auftritt eines kreidebleichen, gebrechlich wirkenden, einst zum "King of Pop" verklärten Musikers. Auf seiner dreiminütigen sogenannten Pressekonferenz vor ein paar Tagen in London war Michael Jackson auch für jeden bekennenden Nichtfan nur eines: Mitleid erregend. Fahrig, klapprig und mumienhaft wirkte der abgewirtschaftete einstige Popstar, als er sein "Comeback" verkündete. Mit den unvermeidlichen, aufrichtig geheuchelten Worten "Love you all" beendete ein aschfahler Michael Jackson einen bizarren Auftritt. Ob er wirklich so hoch verschuldet ist, mit wieviel Gesichtsoperationen er sich unterdessen verstümmelt hat, ob sein letztes Album ("Invincible", 2001) tatsächlich sein künstlerischer Offenbarungseid gewesen ist... Es ist mittlerweile egal! Michael Jackson ist nur noch eine Karikatur seiner selbst. Tragisch nur, dass einige unbelehrbare Jacko-Fans und vor allem er selbst es nicht zu bemerken scheinen!
02.März 2009 - 08.März 2009 - Robert Mugabe

Zu einem runden Geburtstag darf man's schon mal richtig krachen lassen, zumal wenn man nicht weiß, wieviel Ehrentage einem noch so vergönnt sein werden. Deshalb ist gegen das rauschende Fest, das Robert Mugabe zu seinem 85. Geburtstag gegeben hat, auch gar nichts einzuwenden: 80 Rinder, 70 Ziegen und ein Dutzend Schweine waren geschlachtet und verzehrt worden, ehe eine 85 kg schwere Torte der Völlerei ein Ende setzte. (Die britische "Sunday Times" will sogar im Besitz einer Bestelliste sein, nach der u.a. 8.000 Hummer, 3.000 Enten, 16.000 Eier, 2.000 Flaschen Champagner und 500 Flaschen Whisky verputzt worden seien.) Jedenfalls ein angemessener Rahmen für einen großen afrikanischen Staatsmann! 250.000 Dollar hat der Jubelar springen lassen - für alle Beteiligten eine unvergessliche Sause! Klar, dass die bei dieser Party nicht geladenen Gäste allen Beteiligten den Riesenspaß missgönnen. Angesichts dieser beeindruckenden Liste an kulinarischen Köstlichkeiten und angesichts eines putzmunteren Robert Mugabe kann man die westlichen "Berichte" über eine landesweite Hungersnot, die weltweit geringste Lebenserwartung und höchste Inflation nur als Propaganda abtun.
23.Februar - 01.März 2009 - Kaiser's

Es ist eine maßlose Bestrafung für eine Berliner Kassiererin. Sie soll einen Pfandbon in Höhe von 1,30 € "entwendet" haben, und deshalb wurde ihr vom Arbeitgeber fristlos gekündigt. Mal vorausgesetzt, sie hat es getan (was sie bestreitet): Hätte es keine maßvollere Möglichkeit der Sanktionierung gegeben? Hätte es natürlich, sagen Gewerkschafter und Arbeitsrechtler. Eine mildere, angemessenere Bestrafung wäre eine Abmahnung gewesen. Der Gegenseite, der Supermarktkette Kaiser's, hat nun ausgerechnet das Berliner Landesarbeitsgericht Recht gegeben. Die 50 Jahre alte Berliner Kassiererin, die sich 31 Jahre lang tadellos verhalten hat, sei zurecht entlassen worden. Damit ist ihre berufliche Existenz zerstört worden. Wegen 1,30€! Dass ausgerechnet die Kette Kaiser's, die in ihren Filialen gerne mal "vergisst", Sonderangebote auch an der Kasse preislich zu aktualisieren, sich nun auf die Prinzipien der Korrektheit beruft, ist wenig glaubwürdig. Auch wenn es abgedroschen und populistisch klingt: Angesichts der unterschiedlichen Behandlung einer einfachen Kassiererin und milliardenschweren Wirtschaftsbossen scheint sich eine Weisheit mal wieder bewahrheitet zu haben. Die Kleinen hängt man...
16. Februar - 22. Februar 2009 - Chris Brown (und Rihanna)

Ob es am Namen liegt? Chris Brown, 19-jähriger bis dato aufstrebender Sänger aus Virginia schlug zu - doch es war keine einfache Prügelei. Das Opfer ist nämlich seine Freundin, die ebenfalls erfolgreiche R'n'B-Sängerin Rihanna. Und schon werden Erinnerungen an einen gewissen Bobby Brown wach... Bisher brodelt die Gerüchteküche gewaltig. Keiner weiß so richtig, was da passierte, in der Nacht vor den Grammys. Fakt ist, Rihanna trat trotz Nominierung nicht auf, Fakt ist auch, dass Chris Brown wegen tätlicher Gewalt gegenüber seiner (Ex) Freundin festgenommen wurde und lediglich aufgrund einer Kaution von 50 000 Dollar wieder auf freien Fuß kam. Bisher schweigen beide mehr oder weniger über die Geschehnisse der letzten Woche. Lediglich sein Facebook-Profil soll der Sänger geändert haben: vom Status "vergeben" auf "solo", mit dem kleinen Zusatz: "Bald werdet ihr ihr wahres Gesicht sehen. Glaubt mir!" Gott sei Dank ist uns der Anblick des blauen Auges, der geplatzten Lippe und der Bisswunden ja erspart geblieben. Es war wohl auch nicht das erste Mal, dass Brown die Fäuste ausgerutscht sind. Die Beziehung der beiden jungen Talente wird von Bekannten als "sehr explosiv" beschrieben. Wir können nur hoffen, dass Rihanna die Konsequenzen zieht und ihr nicht das Gleiche widerfährt wie einer anderen großartigen Künstlerin, die nicht von einem Typen namens Brown loskam - Rihanna, bitte mach uns nicht die Whitney!!!
09. Februar - 15. Febraur 2009 - Hartmut Mehdorn

Dass die Bahn, entgegen ihrer Werbeslogans, eh nicht pünktlich ist, daran hat man sich inzwischen ja gewöhnt. Dass sie nun aber auch noch gemeinsame Sache mit der "Detektei" Network Deutschland GmbH gemacht hat, bringt den Zug wieder ordentlich ins Rollen und mit Höchstgeschwindigkeit in die Schlagzeilen. Allen voran ihren Oberindianer Hartmut Mehdorn. Der hat nämlich behauptet, er habe rein gar nichts davon gewusst, dass in den Jahren 2003 und 2005 die Daten von rund 173.000 Mitarbeitern - naja sagen wir - etwas intensiver betreut wurden. Natürlich handelten die Verantwortlichen damals im Sinne des Konzerns, überprüfte man die Mitarbeiter doch ausschließlich auf Korruptionsverdacht hin. Network schien da genau der richtige Ansprechpartner zu sein, wo sie doch auch bei der Datenkontrolle der Telekom so hervorragende Arbeit geleistet haben. Inzwischen rudert Häuptling Mehdorn etwas zurück: Vielleicht habe er ja doch ein kleines bisschen mehr gewusst, was ihm jetzt, wo es herausgekommen ist, natürlich furchtbar leid tut...Schön ist auch, dass die fleißigen Schnüffler zwar tatsächlich etwas fanden, da es sich bei den konkreten und wirklich interessanten Verdachtsfällen aber um hochrangige Mitarbeiter handelte, soll die Bahn eben genau diese Ermittlungen gestoppt haben. Wäre ja auch zu schön um wahr zu sein, wenn es mal die Richtigen träfe...
02. Februar - 08. Februar 2009 - Papst Benedikt XVI

Kaum ist unser Redakteur Tim Fiege im wohlverdienten Urlaub fehlt uns der Liebling der Woche. Fast. Denn in dieser Woche ist es wirklich leicht. "WIR SIND PAPST" hieß es damals. Die passende BILD-Schlagzeile in dieser Woche wäre "WIR SIND PEINLICH" - Was genau Joseph Alois Ratzinger dazu veranlassst hat, einen Holocaust-Leugner wie den 1988 exkommunizierten Bischof Richard Williamson wieder in den "heiligen" Schoß der katholischen Kirche aufzunehmen - wir wissen es nicht. Doch wie jemand so taub sein kann und Worte wie "Es sind nichts als Lügen, Lügen, Lügen. Nicht ein einziger Jude wurde durch Gas in Gaskammern getötet." falsch zu verstehen, das grenzt schon an Geisteskrankheit. Der Aufschrei ist groß. Zu recht. Nachträgliche Entschuldigungen werden da auch nicht viel helfen. Das Image ist dahin.
26. Januar - 01. Februar 2009 - Giulia Siegel

Sie war die mit Abstand unsympathischste aller Teilnehmer von "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!" - ja, noch vor Peter Bond. Und deshalb steht sie hier nicht stellvertretend für alle zehn Insassen des 4. RTL-Dschungelcamps, sondern nur für sich: Giulia Siegel. Während bei allen anderen "Prominenten" die Berufsbezeichnung immerhin einigermaßen klar war (Schauspieler, Society-Lady, DSDS-Teilnehmer, Soapstar, Model, Moderatorin, Ex-Eiskunstläufer, Schauspielerin, Glücksrad-Moderator), fällt uns bei der Zicke Giulia Siegel gar nichts ein, außer: Tochter von Ralph Siegel. Überraschenderweise konnten wir bei nicht wenigen der "Stars" im Laufe der letzten zwei Wochen sogar menschliche, sympathische Züge entdecken (naja, die blöde Kuh Giulia Siegel mal ausgenommen): Mausi, die Schrille; Gundis, die Ausgleichende; Günther, der Gutmütige; Nico, der Toughe; Lorielle, die Verletzliche und Ingrid, die Souveräne. Nur bei Giulia Siegel nicht. Sie war die stets Verheulte, ewig Streitsüchtige, sich permanent irgendwelche Phobien einbildende, intrigante Schlange.
19. Januar - 25. Januar 2009 - George W. Bush

Jüngst wurde in diesem Ressort über eine Ausweitung des "Lieblings der Woche" zum "Liebling des Tages" diskutiert. Die Idee wurde schließlich verworfen, obwohl wir den Ansturm der Kandidaten kaum noch bewältigen können. Da ist die Bahn, deren übereifrige Schaffner, äh Zugbegleiter, im Wochentakt minderjährige Fahrgäste in Nacht und Nebel und auf offener Strecke aussetzen, weil sie keine Fahrkarte vorweisen können. Da ist der völlig überschätzte Rapper und Literat Bushido, der eine Plagiatklage am Hals hat. Da ist der einstige Postchef Klaus Zumwinkel, dessen Prozess wegen Steuerhinterziehung in dieser Woche beginnt. Da ist Prinz Harry, der sich mal wieder um Kopf und Kragen geredet hat. Da sind die "prominenten" Bewohner des RTL-Junglecamps, die sich in unglaublicher Weise vor ganz Fernsehdeutschland zum Affen machen. Und. Und. Und. Aber all die Kandidaten werden noch von einem bei weitem übertroffen, der in dieser Woche endlich abgelöst wird und den nicht wenige für den schlechtesten Präsidenten der amerikanischen Geschichte halten: George W. Bush. Die Welt atmet auf.
12. Januar - 18. Januar 2009 - Alexej Miller

Was wurde uns von den sogenannten Klimaforschern nicht alles versprochen? Nie wieder Dauerfrost! Palmen in Berlin! Biergartenwetter im Dezember! Und nun? Klimawandel, wo bist du? Eine beißende Kälte liegt über Deutschland, ein harter Winter lässt Europa bibbern! In dieser verzweifelten Situation dreht der eiskalte Gasprom-Chef Alexej Miller einfach den Gashahn zu! In Belgrad, Kiew und Sofia klappern die Menschen bereits mit den Zähnen. Auch Budapest und Bukarest klagen bereits über zu schwachen Druck in den Gasleitungen. Die Slowakei will nun ein steinaltes Atomkraftwerk wieder in Betrieb nehmen. Der unverfrorene Gasprom-Vorsitzende Alexej Miller wirft der Ukraine vor, alte Rechnungen nicht beglichen und internationale Gasleitungen angezapft zu haben. Und deswegen lässt der unterkühlte Gasprom-Boss Alexej Miller halb Europa in der Kälte sitzen? Aber auch die deutschen Gaskonzerne sind nicht besser! Ausgerechnet jetzt, wo ohnehin kaum Gas ankommt, kündigen sie eine Preissenkung an. Typisch! Alexej Miller, gib endlich wieder Gas!
05. Januar - 11. Januar 2008 - Oliver Pocher

Nun hat es auch Harald Schmidt eingesehen: Oliver Pocher ist nicht witzig! Jahrelang haben wir versucht, sein Talent ausfindig zu machen. Gefunden haben wir: nichts! Ob bei VIVA, Pro Sieben oder schließlich "dank" Schmidt auch im Ersten: Pocher hat eigentlich immer nur genervt! Hoffentlich sind die Zeiten, in denen Großfressig- und Respektlosigkeit schon als Humor gelten, bald vorbei. Wir haben es nie verstanden, dass sich Altmeister Harald Schmidt so'ne Pfeife als Counterpart ausgesucht hat. Nun hat er mit dem weihnachtlichen Rauswurf das Scheitern dieses Konzeptes (frecher Pocher vs. weiser Schmidt) auch öffentlich eingeräumt. Ob er, Schmidt, tatsächlich zu alter Stärke zurückfinden wird, bleibt allerdings zweifelhaft. Zu oft mussten wir einen unmotivierten, ausgebrannt wirkenden Entertainer sehen, der selbst die wöchentliche Sendezeit von einer Stunde nicht adäquat füllen konnte. Und was wird jetzt aus dem sogenannten Comedian Oliver Pocher? Die ARD will ihm ein Format anbieten, hört man. RTL ist nicht uninteressiert, liest man. Und wenn daraus nichts wird, haben Neun Live oder RTLShop bestimmt einen Sendeplatz zu vergeben.
15. Dezember - 21. Dezember 2008 - Rod Blagojevich

Barack Obama hatte offensichtlich den richtigen Riecher. Sein Parteifreund Rod Blagojevich war ihm seit langem suspekt. Und nun der schier unglaubliche Vorwurf an ihn: Der Gouverneur des US-Bundesstaates Illinois habe den frei gewordenen Senatssitz von Barack Obama meistbietend verschachern wollen! Tatsächlich seien ihm auch sechs- und siebenstellige Angebote unterbreitet worden. Dass die Direktwahl der Senatoren durch das Volk seit 1913 in der amerikanischen Verfassung festgeschrieben ist, war dem Demokraten (!) Blagojevich egal. Auch jetzt, nach seiner Verhaftung, zeigt sich "Blago" uneinsichtig. Womöglich muss er mit einem "Impeachment" aus dem Amt gejagt werden. Bleibt zu hoffen, dass es den rechten Republikanern und dem sogenannten Nachrichtensender "Fox News" nicht gelingt, Barack Obama diese peinliche Affäre anzuhängen. Die politisch interessierte Welt wäre um einen Hoffnungsträger ärmer.
08. Dezember - 14. Dezember 2008 - Johannes "Jopie" Heesters

Fast ist man geneigt, einem 105-jährigen alles durchgehen zu lassen. Aber mit seiner Einschätzung gegenüber einem niederländischen Fernsehsender dürfte Johannes Heesters zu weit daneben gelegen haben. "Hitler war ein guter Kerl", sagte der Hochbetagte verblüfften Fernsehreportern. Die glaubten, sie hörten nicht recht und fragten hartnäckig nach. Doch der älteste aktive Schauspieler der Welt blieb bei seinem Urteil! Nur einer Intervention seiner 46 Jahre jüngeren Ehefrau Simone Rethel ("Was redest du für dumme Sachen?") ist es zu verdanken, dass "Jopie" Heesters nicht noch mehr Unheil anrichtete. Diese verbale Entgleisung macht seine Behauptung, er habe zu Beginn der 40er Jahre NICHT vor SS-Mitgliedern im KZ Dachau gesungen (wie Historiker behaupten), jedenfalls nicht glaubwürdiger. Jopie, tue uns einen Gefallen: Sammle weiter fleißig Lebensjahre - aber gib um Himmels Willen keine Interviews mehr!
01. Dezember - 07. Dezember 2008 - Marco Weiss

"Marco packt aus", titelte BILD am Donnerstag. Endlich erfahren wir, was wirklich passierte in jener heißen Liebesnacht im türkischen Antalya. Marco W. aus U. veröffentlichte zunächst einige schlüpfrige Details und gleich am Freitag haben wir sein Enthüllungsbuch "Meine 247 Tage im türkischen Knast" verschlungen. Nun wissen wir, was wir längst ahnten: Marco W. aus U. hat die 13-jährige Engländerin Charlotte NICHT vergewaltigt! Es war ein harmloses Liebesspiel zweier unbeholfener Pubertierender mit vorzeitigem Samenerguss! Dass Marcos literarischer Erstling bei einem Kinderbuchverlag erscheint, ist also durchaus passend. Leider haben Dich, Marco W. aus U., nun zwei Deiner Anwälte fallen gelassen. Wir drücken Dir die Daumen, dass die Bundesregierung Dich, Marco W. aus U., auch bei einem Schuldspruch durch ein türkisches Gericht im April 2009 nicht ausliefert! Wir halten zu Dir, Marco W. aus U. - und prophezeien Dir nicht nur eine große Zukunft als Liebhaber, sondern auch als Literat!
24. November - 30. November 2008 - Axl Rose

St.: Seit Samstag gibt's das neue Album von Guns N'Roses!
W.: I don't give a shit!
St.: Hey, es ist das erste Album der Band seit 15 Jahren!
W.: Who the fuck cares!
St.: Aber es ist DAS Thema für die Rockpresse der ganzen Welt!
W.: So bloody what!
17. November - 23. November 2008 - Kim Yong il

Seit Wochen versucht der imperialistische Westen dem Großen Führer des nordkoreanischen Volkes, Kim Jong Il, eine bösartige Krankheit nach der anderen anzudichten. Weil angeblich keine aktuellen Bilder von ihm existieren, wird wechselweise über Hirnschlag, Alkoholkrankheit oder Schlaganfall spekuliert. Alles antikommunistische Hetze! Ist er nicht gerade wohlauf und putzmunter, Tore bejubelnd bei einem Fußballspiel zweier nordkoreanischer Armeemannschaften gesehen wurden? Jetzt hat Staats- und Parteichef Kim Jong Il reagiert und seine politische Handlungsfähigkeit erneut eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Damit aus China und Südkorea keine Massenflucht ins nordkoreanische Paradies einsetzt, wurden der Bahn- und Flugverkehr eingeschränkt oder unterbunden und die sogenannten internationalen Atominspektoren des Landes verwiesen. Dass der Große Führer in seinem Land diktatorisch herrsche, dass er seinem Volk die elementaren Grundrechte vorenthalte, dass weite Bevölkerungsteile hungerten und froren... alles Propaganda!
10. November - 16. November 2008 - Dmitri Medwedjew

Während Politiker aus aller Welt nach Chicago telefonierten oder telegrafierten, um Barack Obama zur Präsidentschaft zu gratulieren (angesichts des Erbes wäre wohl "kondolieren" passender), erwähnte ihn der russische Präsident Dmitri Medwedjew in seiner sogenannten "Jahresbotschaft" mit keinem Wort! Statt dessen drohte er, als Reaktion auf den amerikanischen Raketenschild in Osteuropa in Kaliningrad russische Kurzstreckenraketen zu stationieren. Nur wenige Stunden nach dem historischen Wahlsieg von Barack Obama! Ob der neue US-Präsident diese Hinterlassenschaft seines unsäglichen Vorgängers wirklich weiter verfolgt, ist noch gar nicht sicher, aber die alten Feindbilder aus dem Kalten Krieg scheinen auch bei der neuen russischen Politikergeneration noch intakt zu sein. Der russische Regierungschef Wladimir Putin, unter dem Medwedjew Präsident ist, dürfte jedenfalls zufrieden sein mit seinem Schützling!
03. November - 09. November 2008 - Sarah Connor und Mark Terenzi

Die Gerüchteküche brodelte schon seit ein paar Tagen. Seit Samstag ist es nun schreckliche Gewissheit: Sarah Connor und Marc Terenzi gaben via BILD ihre Trennung bekannt. Sie beenden die Ehe, nicht aber, so ihre Erklärung, "unsere tiefe Liebe und Freundschaft zueinander". Für uns, ihre Fans, waren beide das perfekte Pop-Paar! Unvergessen die zu Herzen gehenden Hochzeitsbilder des glücklichen Bräutigams Marc und der schönen Braut in Weiß Sarah. Gierig haben wir jede Folge der Pro7-Doku-Soap "Sarah und Marc in love" aufgesaugt. Und dann der Schock: Marc wurde mit anderen jungen Damen in Bars und Stripclubs gesehen und hatte Sarah bei einer schwierigen Stimmbandoperation nicht beigestanden! Das war der Anfang vom Ende. Wie Sarah die schmerzhafte Trennung bewältigt, werden wir am 9.11. in der SAT1-Show "Nur die Liebe zählt" mit Kai Pflaume sehen. All unsere Gedanken sind nun bei dem süßen Töchterchen Summer und dem goldigen Söhnchen Tyler.
27. Oktober - 02. November 2008 - Peter Sodann

Eine unabhängige, überparteiliche Präsidentschaftskandidatin war uns versprochen worden. Präsentiert wurde: Peter Sodann! Als er 2005 für ein PDS-Bundestagsmandat im Gespräch war, hat er seine (späte!) Ablehnung noch ganz gut begründet: Er wolle lieber ein politischer Schauspieler sein als ein schauspielernder Politiker. Leider gilt dies eine "Kabarett"-Tournee später, auf der er mit Norbert Blüm (!) Altherrenwitze riss, nicht mehr. Linke Bundespolitiker haben nun alle Hände voll zu tun, die verunglückten Äußerungen ihres Spitzenkandidaten richtigzustellen. Bleibt zu hoffen, dass Sodann seine aussichtslose Kandidatur spätestens im entscheidenden Wahlgang zurückzieht und die Linke geschlossen für Gesine Schwan stimmt. Die ersten Tage des Präsidentschaftskandidaten Peter Sodann fasste am Montag DER SPIEGEL ganz treffend zusammen: "Zwei Wochen ist Sodann nun Kandidat. Keinen Tag hat er seitdem ungenutzt verstreichen lassen, um zu beweisen, dass er für das Amt des Bundespräsidenten eher nicht in Frage kommt."
19. - 26. Oktober 2008 - Friedrich Merz

Das nennt maDie Schweiz ist empört! In Deutschland fordern Politiker den Kauf einer CD mit Daten von Steuersündern. Das Geld in der Schweiz geparkt und dem deutschen Finanzamt nix davon gesagt. So geht das aber nicht! Die Schweiz bangt um das Bankgeheimnis und gut betuchte Deutsche um ihr Zusammengerafftes....n schlechtes Timing. Soeben brachte Friedrich Merz sein Buch "Mehr Kapitalismus wagen" heraus. Ausgerechnet jetzt! Schon mal was von Finanzkrise, Bankenpleiten und Börsenabstürzen gehört, Friedrich? Leider hat der (ehemalige) CDU-Finanzexperte kein Parteiamt mehr, von dem er jetzt zurücktreten könnte.
Wenn ein erst eingewechselter Fußballer im Laufe der regulären Spielzeit vom Trainer wieder ausgetauscht wird, nennt man das “Höchststrafe”. Und eigentlich gibt es in diesem Ballsport auch für jede Situation eine entsprechende Bezeichnung oder Phrase. Im Fußballjargon ist also ständig von “Fahrstuhlmannschaften”, “Flatterbällen” und “Sechs-Punkte-Spielen” die Rede. Fußballhasser zucken nur mit den Schultern, wenn Fußballfreunde von “roter Laterne”, “Sonntagsschüssen” und “Doppelschlag” fachsimpeln. Sepp Herbergers Fußballweisheiten (“Der Ball ist rund”) füllen ganze Bibliotheken. Und auch die Gesetzmäßigkeiten (“Der gefoulte Spieler sollte nie einen 11 Meter treten!”) sind jedem Fan vertraut. Doch wie nennt man es, wenn einem Abwehrspieler innerhalb eines Spieles gleich zwei Eigentore unterlaufen? Für einen Toreverhinderer ein Alptraum! Es kommt einfach zu selten vor. Genau dies ist am vergangenen Wochenende dem georgischen Abwehrspieler Kacha Kaladze im WM-Qualifikationsspiel gegen Italien passiert. Innerhalb von zehn Minuten verhalf er dem Titelverteidiger zu zwei Treffern. Bis dahin hatten die Italiener in den letzten drei Länderspielen gar nicht getroffen! "Unhaltbar", schwärmten die italienischen Stürmer mit Ladehemmung. Nun lernten sie das seltene Gefühl kennen, wie es ist, Spiele zu gewinnen, ohne selbst Tore erzielen zu müssen. Dass der Georgier Kacha Kaladze, wenn er nicht im georgischen Nationaltrikot Tore verhindert, beim italienischen Erstliga-Club AC Milan angestellt ist, dürfte Zufall sein. Oder?
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